Jubiläum

veröffentlicht am 1.02.2011 im Südkurier und Alb Bote

 

Ich hab als kleiner Bub schon gerne gesungen

Lottstetten (thg) Siegfried Schaub aus dem Lottstetter Ortsteil Balm wurde für 50 Jahre aktives Singen im Männerchor „Eintracht 1847“ Lottstetten geehrt. „Ich hab schon als Bub gerne gesungen“, blickt er an die Anfangstage seiner Sangeslaufbahn zurück. Ein Auftritt mit der Schule bei einer Engelsmesse in der Lottstetter Valentinskirche war für ihn der Knackpunkt. Als 19- jähriger trat er dann dem Männerchor bei. Vorsitzender war damals sein zukünftiger Schwiegervater Arthur Henes. Dirigent war Fritz Rupprecht, ein pensionierten Lehrer mit „harter Gangart“. Weiter hat Schaub unter den Dirigenten Oskar Schmid, Gottlieb Meier und dem aktuellen Dirigenten Georg Boller gesungen. Gerne erinnert er sich an das „Ständerli“ seiner Sängerkameraden bei seiner Hochzeit im Jahr 1970. Eine große Sache war auch die Durchführung des Nacker Weinfestes. Die Ausflüge nach Südtirol oder Heiligenberg am Bodensee waren seine gesellschaftlichen Höhepunkte. Die Konzertreisen nach Polen und Ungarn waren ganz klar die kulturellen Highlights. Als der junge Sänger „Sigi“ Schaub im Jahr 1969 seine Freundin Elfriede Henes aus der Gesangprobe beim Kirchenchor abholte, war es um ihn geschehen. Mathilde Keller redete so lange an ihn hin, bis er auch dort Mitglied war. Und das mittlerweile auch schon über 40 Jahre. Das Singen war für den fünffachen Familienvater ein Leben lang der Ausgleich für seine harte Arbeit als Land- und Forstwirt. „Man würde sonst nur die Arbeit kennen“, so Schaub. Während der Erntezeit ging manche Probe ohne den „Schaub Sigi“ über die Bühne. Doch mittlerweile hat er sich zu einem der besten Probenbesucher gemausert. Als die Lottstetter  Feuerwehr zu wenige Mitglieder hatte, bestimmte der damalige Bürgermeister Max Keller ortsansässige Männer zum Feuerwehrdienst. Dass da die Bauern, die es verstanden anzupacken, begehrt waren, versteht sich von selbst. So wurde er gezwungenermaßen zum Vereinsmeier. Der Balmer Bauer spielte dazu auch noch sechs Jahre Fußball beim Sportverein. „Damals hab ich auch gedacht, ein Sonntag ohne Fußball sei kein Sonntag“, schmunzelt er mit seinem verschmitzten Lächeln. Heute fühlt er sich sehr wohl bei seinen Sängerkollegen vom Männerchor, der von seinem Schwager Max Henes geführt wird. Siegfried Schaub singt weiterhin mit viel Freude den Ersten Bass. Und das am liebsten dann, wenn eine Wiener Operette auf seinem Notenständer liegt.


Siegfried Schaub Siegfried Schaub

Geburtstag

Hilda Nun

aus dem Lottstetter Ortsteil Nack feiert als älteste Einwohnerin der Gemeinde  am Sonntag, 13. Mai ihren 99. Geburtstag. „Mit viel Gottvertrauen und einer positiven Lebenseinstellung, mit Freude an den Blumen und jeden Tag ein Gläschen Rotwein, so wird man 100 Jahre alt“, weiss die zufriedene Jubilarin. Sie versorgt sich grösstenteils noch selbst und ist besonders geistig noch sehr fit. Man sieht sie auch noch  beim täglichen Spaziergang. Hilda Nun erblickte 1908 als Tochter der Eheleute Karl und Wilhelmine Degen im Ortsteil Nack das Licht der Welt und wuchs im Kreise ihrer vier Geschwister auf dem elterlichen Bauernhof auf. Sie erlebte die Inflation und zwei Weltkriege. Infolge eines Kriegsleidens verlor sie auch ihren Bruder Oswald. Im Jahre 1942 heiratete sie Ernst Nun. Als die Schwiegermutter gestorben war, zogen sie nach Rastatt und versorgten den Schwiegervater mit dem eigenen Glasereibetrieb. Die Ehe mit Ernst Nun blieb kinderlos. Bereits nach elf Jahren Ehe verstarb ihr Ehemann im Jahre 1953. Danach zog es sie wieder in die alte Heimat zurück. Im Jahre 1956 kaufte sie sich ihren ersten Fiat 600. Dem sollten noch weitere 15 Autos dieser Marke  folgen. Damit verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt. Zuerst mit Fahrten zum Doktor, dann mit Ausflugsfahrten und Krankentransporten. Des Weiteren machte sie Besorgungen für das Gasthaus Kranz und war als die gute Seele des Hauses nicht wegzudenken. Bis zu ihrem 95. Lebensjahr war sie mit dem eigenen Auto mobil. Eine Reise mit der Alt - Kranzwirtin Anna Rieger, zu deren ausgewandertem Sohn Ernst, nach Windhook in Südafrika war ihre "Reise des Lebens". Nicht zu vergessen, als die "Nunin", wie sie im Ort liebevoll genannt wird, über dreissig Jahre als Nikolaus um die Häuser zog. Ihre unverwechselbar tiefe Stimme liegt noch heute so manchem mittlerweile Betagtem im Ohr. Die Jubilarin wohnt im ersten Stock des Hauses, das der längst verstorbene Bruder Eugen erbaut hatte.  Die Mühen des Alltages werden ihr von der Sozialstation, Freunden und Nachbarn abgenommen. Welche Wünsche hat man als 99-jährige? „Einmal noch möchte ich mit dem Auto über den Sustenpass fahren, vielleicht wird mir dieser Wunsch noch erfüllt". (thg)

 

Hilda Nun Hilda Nun

Nachruf

Erwin Bölle

30.12.2005 - veröffentlicht im Südkurier und Alb Bote

 

Am Weihnachtstag ist Erwin Bölle aus Lottstetten-Nack gestorben. Eine überaus grosse Trauergemeinde nahm Abschied auf dem Lottstetter Friedhof. Pfarrer Stephan Schmidt erinnerte in seiner Trauerrede an den Lebensweg des Verstorbenen. Erwin Bölle erblickte 1935 in Bettmaringen das Licht der Welt und wuchs mit vier Geschwister auf dem elterlichen Bauernhof von August und Maria Bölle auf. Er sollte als ältester Sohn ursprünglich den landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen. Als Erntehelfer verdiente er sich in den Sommermonaten etwas Zubrot bei Alfred Kübler in Lottstetten - Nack. Dort lernte er Marlies Güntert kennen und die beiden heirateten im Jahr 1962. Der Ehe wurden drei Töchter und ein Sohn geschenkt. Erwin Bölle übernahm dann den Betrieb seiner Schwiegereltern Franz und Sophie Güntert und führte diesen anfangs noch zum Haupterwerb. Der Verstorbene war zudem als Waldarbeiter bei der Gemeinde Lottstetten tätig. Fünf Jahre gehörte Erwin Bölle dem Lottstetter Gemeinderat an.   Im Jahr 1970 schaffte er die Viehwirtschaft ab und arbeitete in der SIG in Neuhausen / Schweiz, wo er bis zur Pensionierung im Jahr 1998 tätig war. Ein schwerer Schicksalsschlag war es, als seine Frau Marlies kurz vor der Pensionierung verstarb. Erwin Bölle versorgte sich seitdem selbst und meisterte seinen Ruhestand bestens. Viel Kraft nahm er aus dem christlichen Glauben, den er auch lebte. Vor knapp einem Jahr erkrankte Erwin Bölle schwer und verstarb jetzt an den Folgen dieser Krankheit.Der Musikverein "Harmonie" Lottstetten umrahmte die Beisetzung in einem feierlichen Rahmen und seine Musikkameraden hielten die Ehrenwache am Sarg. Christian Frey, erster Vorsitzender, erinnerte an den Musikkameraden und das Ehrenmitglied Erwin Bölle. Im vergangenen Sommer überbrachte der Musikverein noch die musikalischen Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag und konnte mit ihm diesen Tag feiern. Zusammen war er nahezu 40 Jahre aktiver Musiker in Bettmaringen und Lottstetten und hat das Tenorhorn geblasen. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Helmut Buchter junior erinnerte an die neunjährige Tätigkeit im Pfarrgemeinderat und legte eine Blumenschale nieder. Neben den Kindern trauern ebenso fünf Enkelkinder um ihren gutmütigen Opa. Die kleine Dorfgemeinschaft des Lottstetter Ortsteils Nack verliert in ihm einen stets hilfsbereiten und sehr beliebten Mitbürger. (thg)

 

Erwin Bölle Erwin Bölle

Familienjubiläum

Immer wieder Balm

2.7.2010 - veröffentlicht im Südkurier und Alb Bote

 

Die Mühle in Balm – Sie liegt mitten im Wald, hundert Meter oberhalb des Rheinufers. Dort wohnen Willem und Traute van der Bosch, Willem ist 86, Traute 83 Jahre alt. Die beiden leben dort ohne Fernsehen, ohne Telefon und ohne Kühlschrank. Beide sind zufrieden und genießen den gemeinsamen Lebensabend. Sie sind 65 Jahre verheiratet und feierten vor kurzem  die Eiserne Hochzeit. Willem van der Bosch  ist 1924 in Ryswyk in den Niederlanden geboren. Sein Vater war Schiffer und er ging ihm während der Schulzeit zur Hand. Danach arbeitete er vier Jahre in einer Gärtnerei. Als 18- jähriger wurde er zur Zwangsarbeit in Deutschland verdonnert. So kam er an die Hochöfen zu den Aluminiumwerken nach Rheinfelden. Als man dort nach Arbeitern auf den betriebseigenen Gutshof im Lottstetter Ortsteil Balm suchte, meldete sich Willem van der Bosch. So kam er 1943 erstmals nach Balm, wo er auch seine Traute kennen und lieben lernte. Sie wurde 1927 in Allenstein in Ostpreussen geboren und wuchs mit 10 Geschwistern auf. Nach der Schule wurde sie zum Arbeitsdienst im Krieg eingesetzt. So musste sie in Berlin eine Ausbildung als Beleuchterin bei der Flugabwehr absolvieren. Währenddessen floh ihre Mutter vor den Kriegswirren nach Lottstetten-Balm. Ihre älteste Schwester war damals bei einem Verleger in Berlin als Haushälterin beschäftigt und erbte nach seiner Umsiedlung nach Balm die dortige Mühle. Durch einen Sonderurlaub kam dann auch Traute nach Balm und lernte dort ihren Willem kennen und lieben. Sie blieben dann auch bis zum Kriegsende im Lottstetter Ortsteil. 1945 wurde die Bevölkerung des Jestetter Zipfels durch die französische Besatzungsmacht evakuiert. Das erste Nachtlager war in Baltersweil. Dort setzten sich die zwei jung Verliebten ab. In Dogern fand man Aufnahme in einem Holländer-Lager und beschloss zu heiraten. Doch der Bürgermeister von Waldshut konnte dem nicht zustimmen, da es damals verboten war, dass deutsche Mädchen Ausländer heirateten. Es bedurfte der Einwilligung der französischen Kommandanten. Da dieser gerade im Urlaub war und sein Stellvertreter kurz vor der eigenen Heirat stand, wurde dem Antrag genehmigt. Kurzerhand wurden zwei holländische Trauzeugen von der Straße geholt und 1945 in Waldshut geheiratet.  1946 kamen die beiden über ein Übergangslager in Bocholt, wo Holländer mit deutschen Frauen untergebracht wurden, endlich in die Heimat des Mannes, nach Holland. „Obwohl die Deutschen verhasst waren, habe ich nie ein böses Wort gehört“, lobt Traute van der Bosch die Einheimischen noch heute. Der Ehemann fand Arbeit in der Fabrik und arbeitete später als Bauführer. Der Ehe entsprangen ein Sohn und vier Töchter. Mittlerweile gehören neun Enkel zur Großfamilie van der Bosch. Eine Tochter wohnt in der Nachbargemeinde Jestetten, wie auch die Schwester Jutta der Jubilarin. Der Rest der Familie in Holland. Die Mühle in Balm wurde  mittlerweile verkauft  und vor 24 Jahren bot sich die Möglichkeit, die alte Balmer Mühle zu mieten. Ein einfaches Haus ohne jeglichen Luxus. Für das Ehepaar van der Bosch jedoch ein Haus vollgepackt mit Erinnerungen – unbezahlbar. Seit dieser Zeit pendeln sie, inzwischen in  Valkenburg zuhause, zwischen Holland und Balm. Ein Kontrast zwischen Großstadtleben und Natur. Was ist das Rezept für 65 Jahre Eheglück? „Geben und nehmen“, sagt Traute. „Eine einfache Lebensweise, wir hatten nichts, doch wir hatten immer Glück“, meint Ehemann Willem und er macht sich auf den Weg zum Bauer Schaub, wo er für sich und seine Traute eine Kanne Milch und ein paar Eier holen geht.

Willem und Traute van der Bosch sind seit 65 Jahren verheiratet Willem und Traute van der Bosch sind seit 65 Jahren verheiratet