St. Galler Bauer, 12. Oktober 2024
Oriana gibt Energie für den letzten Weg
Christina Bucher aus Kloten und ihre Sozial- und Blindenführhündin Oriana haben nach einer langen Ausbildungsphase vor drei Jahren im Spital Bülach mit der tiergestützten Betreuung begonnen. Seither sind die Beiden jeden Mittwochnachmittag in der Palliativabteilung.
Thomas Güntert
In der Palliativabteilung des Spitals Bülach (ZH) werden Menschen multiprofessionell betreut, die medizinisch austherapiert sind und aufgrund unheilbaren, lebensbedrohlichen oder chronisch fortschreitenden Krankheiten eine reduzierte Lebenserwartung haben. „Meistens sind wir eine halbe Stunde beim Patient“, sagte Christina Bucher, die mit ihrer Hündin Oriana einmal in der Woche dort ist. Sie bemerkte, dass die Patienten durch den Körperkontakt mit der Hündin ruhiger werden und positive Veränderungen der Vitalzeichen wie Puls, Blutdruck und Sauerstoffsättigung medizinisch nachgewiesen werden können. Bei verschiedenen Testläufen wurde festgestellt, dass Oriana Krankheits- und Sterbephasen realisiert und dem Patienten entsprechend mehr Energie gibt. Wenn bei einem Menschen der Sterbeprozess beginnt und die Hündin die Ausdünstungen des Körpers und den speziellen Atem riecht, geht sie nicht mehr von alleine vom Bett. Es kam schon öfters vor, dass der Patient innerhalb von drei Tagen nach einem solchen Verhalten der Hündin verstorben ist. „Sie riecht den chemischen Prozess, wenn ein Mensch stirbt“, sagte Bucher und erwähnte, dass auch ein «Epidog» drei Tage vor einem epileptischen Anfall seines Herrchens ein Signal gibt. Die Hündin Oriana wird von Patienten und Angehörigen durchweg positiv angenommen und bringt auch Abwechslung und Freude in den Arbeitsalltag der Angestellten.
Vom Umgang mit dem Tod
„Ich habe keine Angst vor dem Tod, nur davor dass der Bestatter nicht respektvoll mit mir umgehen könnte“, sagte Bucher. Die 65- Jährige ist auch im Care Team von «CareLink» Glattbrugg, das Menschen, die von einem ausserordentlichen Ereignis betroffen sind, emotional und praktisch betreut. Sie hat eine gute Resilienz mit dem Tod umzugehen und kann ihn vom Alltag abgrenzen. Christina Bucher weiss aber auch, das man aufpassen muss, dass man den Respekt vor dem Tod nicht verliert. Bei den Gesprächen mit den Patienten vermittelt sie wohl Mitgefühl, aber keinesfalls Mitleid und hört aktiv zu, ohne irgend etwas zu werten. Bezüglich dem Glauben und dem Leben nach dem Tod äussert sie sich nicht bei den Patienten. „Meine Religion sind Natur, Pflanzen, Tiere und wenn ich für Menschen da sein kann, die Hilfe benötigen“, sagte Bucher, die in der Energie des Menschen die Seele sieht. „Der menschliche Körper ist mit Energie geladen und diese entweicht beim Tod in ein neues Leben“, glaubt Bucher, die als Kind selbst zwei Reinkarnationserfahrungen machte.
Halifax gab die Richtung vor
Christina Bucher ist mit ihrem Mann Franz verheiratet und kinderlos. Mittlerweile ist die gelernte Pflegefachfrau Anästhesie pensioniert. Bucher war zwölf Jahre
lang mit einem 70 Stellenprozent-Pensum beim «Medicoll» Callcenter angestellt und begleitete im Auftrag von verschiedenen Versicherungsgesellschaften Repatriierungen, worunter man den Transport- und
den Organisationsvorgang versteht, erkrankte oder verletzte Personen aus dem Ausland in die Heimat zurück zu bringen. „Ich war weltweit unterwegs, 60 Mal in Thailand und weiss Gott wo noch überall“,
sagte Bucher. Damit sie medizinisch an der Sache blieb, arbeitete sie zudem noch mit 40 Stellenprozent als Anästhesieschwester im Spital Bauma. Ein einschneidendes Erlebnis hatte sie am 2. September
1998, als sie bei einer Repatriierung den Flug von New York nach Genf nehmen sollte, dann aber mit dem nächsten Flieger nach Zürich geflogen ist. Das Flugzeug nach Genf ist bei Halifax abgestürzt und
alle 229 Personen kamen dabei ums Leben. Christina Bucher bekam dann einen Nervenzusammenbruch, weil sie nicht verstehen konnte, dass eine Maschine der Swissair abstürzen konnte. „Das Flugzeug war
meine Stube“, sagte Bucher, die danach noch drei oder vier Flüge machte und dann damit aufhörte. Danach arbeitete sie im mobilen Blutspendedienst und leitete acht Jahre das Sekretariat der
Kirchengemeinde Russikon. Als ihre Mutter und ihr Mann gleichzeitig kurzfristige Unterstützung benötigten, legte sie ein Jahr lang eine berufliche Pause ein. Danach suchte sie einen neuen Job und
bekam keinen mehr. „Es hiess, ich sei zu lange an keinem Patientenbett mehr gewesen“, sagte Bucher, die sich dann der Freiwilligenarbeit widmete.
Auf den Hund gekommen
Christina Bucher hatte bis zu ihrer Pensionierung berufsbedingt nie einen Hund besessen. Sie erinnert sich aber noch gut daran, wie sie sich als Kind einen schwarzen «Labi» wünschte. Bei einer
hilfsbedürftigen Nachbarin hütete sie immer wieder einen schwarzen Labrador, wobei eine enge Beziehung entstand. Als dieser dann starb, kam bei Ihr wieder der Wunsch nach einem eigenen Hund auf und
sie bewarb sich bei der Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde in Allschwil für einen pensionierten Blindenführhund. Mittlerweile hütete sie an Wochenend- und in Ferienabsenzen im
Wohnquartier einige Hunde und wurde auch angefragt, in Winterthur einen Blindenführhund zu betreuen, der einer selbständigen Physiotherapeutin gehörte, die in ihrer Kindheit durch eine Krankheit
vollständig erblindete. Dort kamen dann Christina und Oriana zusammen.
Lebenszyklus von Oriana nähert sich dem Ende
Die 12- jährige Hündin ist eine Mischung aus Red River und Labrador. Bucher betonte, dass Oriana kein Therapiehund, sondern ein Sozialhund und Blindenführhund ist. Ein Sozialhund sollte ein ruhiges und gutes Gemüt haben, dem man Vertrauen kann, er muss gehorchen, kontaktfreudig und neugierig sein und er sollte nicht bellen, sabbern und keine Menschen anspringen. „Er darf vor allem nicht ängstlich sein und Freude am Schaffen haben“, sagte seine Halterin. Oriana, die der Hundeschule in Allschwil gehört, war als Welpe anderthalb Jahre zur Grundausbildung bei einer Patenfamilie. Dann wurde sie wieder an die Hundeschule geholt, auf ihre Eignungen getestet und von einem Instruktor entsprechend ausgebildet. Danach war sie vier Jahre als Blindenführhund im Einsatz. Als sie vor sechs Jahren plötzlich lärmempfindlich wurde und ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen konnte, wurde sie pensioniert. Nachdem Christina Bucher bereits zwei Jahre auf der Warteliste der Hundeschule stand, bekam sie Oriana zugewiesen. Im zweiten Jahr, in dem sie mit der Hündin zusammen war, machte die ehemalige Anästhesieschwester in Allschwil den neunmonatigen Sozialhundekurs. “In der Ausbildung lernt man den Hund kennen und lesen und es wird ein gegenseitiges Vertrauen aufgebaut“, sagte Bucher und bemerkte, dass die Konversation mit der Hündin über die Mimik und Körperhaltung erfolgt. Die Hundehalterin arbeitet direkt mit dem Spital zusammen und muss der Hundeschule entsprechende Rückmeldungen geben. Die Hundeschule überprüft regelmässig die Besuche im Spital und führt Beurteilungen durch. „Wir machen das so lange Oriana das will“, sagte Bucher, die sich in Allschwil bereits für einen zweiten Hund beworben hat, da das Durchschnittsalter eines Labradors nur etwa zwölf Jahre beträgt. „Ich möchte so lange es geht, mit zwei Hunden arbeiten und dann einen fliessenden Übergang schaffen“, sagte Bucher, die nach den neusten Bestimmungen auch mit Oriana in der Intensivpflegestation des Spitals Bülach zu den Patienten darf.
Schaffhauser Nachrichten, 27. März 2023
Der Herr Kapellmeister gab sich die Ehre
Im Rahmen der Generalversammlung des Vereins «Rheinauer Konzerte» plauderte Ernst Raffelsberger aus seinem musikalischen Nähkästchen.
Thomas
Güntert
RHEINAU. Ellinor v. Kauffungen führte am Freitag als Vereinspräsidentin von «Konzerte Rheinau»
im Restaurant «Augarten» ein interessantes Gespräch mit Ernst Raffelsberger, der an der Oper Zürich als Chordirektor engagiert ist. Der Österreicher war 1993 am Theater Freiburg engagiert und wollte
eigentlich nur für drei Jahre an die Oper nach Zürich. Er zog mit seiner Frau Bärbel in die Rheinauer Nachbargemeinde Jestetten, weil die vierjährige Teresa als ältestes der drei Kinder in den
Kindergarten kam und es eine direkte SBB-Verbindung nach Zürich gab. „Am Anfang war es für uns ein Kulturschock und wir fuhren alle zwei Wochen wieder nach Freiburg“, sagte der 62- Jährige.
Raffelsberger ist in Gmunden in Oberösterreich auf einem Bergbauernhof aufgewachsen, lernte schon früh Klavier und Orgel spielen und studierte in Wien Schulmusik und Kirchenmusik. Sein Gesangslehrer
war damals musikalischer Leiter der Wiener Sängerknaben und holte ihn mit 22 Jahren als Kapellmeister. „Da habe ich mein Handwerkszeug gelernt“, sagte Raffelsberger, der nach drei weiteren Jahren
sein erstes Opern Engagement am Landestheater in Salzburg bekam und nach vier Jahren nach Freiburg wechselte. Sieben Jahre lang war er zudem im Sommer bei den Salzburger Festspielen für den
österreichischen Staatsopernchor tätig.
Zürcher Opernchor hat nur eine Schweizer Stimme
„Für mich gibt es nur einen Grund Musik zu machen und das sind die Emotionen“, sagt Raffelsberger, der im Opernchor in Zürich 60 Berufsmusiker dirigiert, von denen aber lediglich eine Sängerin aus
der Schweiz ist. „So wie man spricht musiziert man“, sagte der Chorleiter und erklärte, dass ein Norddeutscher anders singt als ein Österreicher oder Italiener und dass ein Österreicher ihn nicht nur
versteht, sondern auch weiss, wie er etwas meint. Raffelsberger hätte in Zürich gerne mehr Schweizer im Chor, doch wird es immer schwieriger geeigneten Nachwuchs zu finden. Die Männer und Frauen vom
Opernchor Zürich brauchen eine bessere gesangliche Ausbildung und Technik wie an seinen bisherigen Stationen. Jährlich gibt es über 150 Vorstellungen, vor denen jeweils zwei bis dreimal geprobt wird.
„Lieber eine Probe zu wenig als eine zu viel“, ist der Leitspruch von Chordirektor, der Regisseure mag, die den Chor fordern. „Wenn Spannung in der Regie ist, dann ist sie auch in der Musik“, sagt
Raffelsberger und betonte, dass die Musik sich entwickelt hat und früher nicht besser, aber anders war. Die Entscheidung, Jestetten als Lebensmittelpunkt zu wählen, hat sich für die Familie
Raffelsberger, wie auch für die Gemeinde als Glücksfall erwiesen. „Ich habe es nie bereut, dass aus drei Jahren dreissig wurden“, sagte Raffelsberger, der im Vorstand vom Kulturverein ist, die
Abendsingwoche gründete und in den Kirchen an der Orgel aushilft, wenn Not am Mann ist. Im Oktober wird Ernst Raffelsberger in Jestetten der Musikpreis der Volksbank Hochrhein Stiftung verliehen. Und
in drei Jahren wird er wohl in Pension gehen. „Es wird immer einen Chor geben, der einen Chorleiter sucht“, sagte Raffelsberger mit dem sympathischen, oberösterreichischen Akzent, den er in all den
Jahren nicht verloren hat.
Schweizer Bauer, 19. Januar 2022
Geglückter Neuaufbau nach verheerender Feuerbrunst
Seit 2014 führt Ivo Tognella im nördlichsten Zipfel der Schweiz den Holzbau & Sägereibetrieb Tanner AG. Nachdem die Sägerei- und Zimmereihalle in
Merishausen im Jahr 2017 bis auf die Grundmauern abgebrannt ist, läuft seit einem halben Jahr wieder alles rund.
Am 8. Juli 2017 brannte der Holzbaubetrieb Tanner AG in Merishausen bis auf die Grundmauern nieder, wobei das Feuer auch auf den nahegelegenen Wald im
Naturschutzgebiet Gräte übergriff. Am Brandort waren rund 200 Feuerwehrleute mit zahlreichen Fahrzeugen und vier Helikopter im Einsatz. Die Sägerei & Zimmereihalle wurde samt der Trockenkammer
ein Raub der Flammen. Es konnte lediglich ein Lagerschuppen gerettet werden. Gemäss den polizeilichen Ermittlungen war ein Funkenschlag auf Sägemehlrückstände auf dem Dach der Sägerei die
Brandursache. Der Brandschaden lag bei rund acht Millionen Franken, wobei es für den Waldschaden keine finanzielle Forderung gab. Der damals 36- jährige Betriebsinhaber erfuhr eine grosse
Hilfsbereitschaft im 800- Seelendorf Merishausen und bei seinen Berufskollegen. Bei Isolde Ott, die mit über 80 Jahren noch die Hanhart Sägerei in Diessenhofen (TG) führt, konnte die Produktion von
Schnittholz weitergeführt werden und für die weitere Veredelung und Bearbeitung stellten ihm einige Nachbarn mehrere Schuppen zur Verfügung. „Es ging fast ohne Unterbruch weiter und am Dienstag nach
dem Brand waren meine Zimmerleute wieder auf den Baustellen“ erinnert sich Tognella. Bereits im Herbst 2017 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Im Juni 2018 konnte die neue Zimmereihalle
aufgerichtet und mit Gerätschaften ausgestattet werden. Im September wurde der Hallenkran montiert, im November die Zimmereihalle und Ende des Jahres das neue Büro bezogen. Es dauerte dann bis im
September 2019, bis die 28 Meter langen und 2600 Kilo schweren Bogenbinder für die neue Sägereihalle aufgerichtet wurden.
Neue Säge aus Occasion Komponenten
Wegen den zahlreichen neuen Vorschriften für den Wiederaufbau hat die Versicherungssumme für eine neue Sägereianlage aber bei weitem nicht ausgereicht. „Eine neue
Gattersäge mit automatischer Besäumanlage, wie sie heute in der Halle steht, würde zwölf Millionen Franken kosten, sagt Tognella, der weit herumgereist ist, um nach gebrauchten Alternativen zu
suchen. Von Sägereien, die den Betrieb aufgegeben hatten, kaufte er Einzelkomponenten, die rund 30 Jahre alt waren. „Ich habe mir die Pralinen herausgepickt“, sagt Tognella. Die Gattersäge Typ GDZ
vom ehemaligen Sägemaschinenhersteller Wurster Dietz kam aus Vittel in Frankreich. In Möggers/Vorarlberg wurde zur Ergänzung die handbeschickte Besäum- und Nachschnittanlage Esterer Combimes DK 90
gekauft, die durch die Vielzahl der kombinierbaren Besäum- und Nachschnittkreissägen für verschiedenste Produktionsaufgaben einsetzbar ist. Die Rundholz Sortieranlage Baljer + Zembrod, Typ F250T hat
Tognella vom Toggenburger Sägewerk Guido Wohlgensinger in Mosnang geholt. Zur neuen „Occasion“ Anlage gehört auch eine Entrindungsmaschine Nicholson, Typ A6, Jahrgang 1994. Bei der Suche nach den
geeigneten Komponenten lernte Tognella den Südtiroler Wilfried Walter kennen, mit dem er die Anlage in sechs Monaten aufgebaut und installiert hat, ehe sie im Juni 2021 in Betrieb genommen werden
konnte. Der Südtiroler blieb dann auch gleich im Betrieb, wo er zu einem wertvollen Mitarbeiter geworden ist.
Weitgehend unabhängige mit eigener Zertifizierung
Tognella weiss nicht, ob er heute das alles nochmals so machen würde. Persönlich ginge es ihm finanziell sicher besser, wenn er auf dem günstig erworbenem Grundstück
Einfamilienhäuser gebaut hätte. „Dann müsste ich heute vermutlich nicht mehr arbeiten“, sagt Tognella, der sich gegenüber seinem „mega gutem Team“ aber in der Pflicht fühlt. Die Tanner Holzbau &
Sägerei AG zählt mit 31 Mitarbeitenden mittlerweile zu den renommiertesten Holzbaubetrieben im Kanton Schaffhausen und ist weitgehendst autark. Rund 90 Prozent der veredelten Schnittwaren werden ohne
Zwischenhandel direkt an Baufirmen und Privatkunden verkauft. „Die Qualitätsnormen bestimme ich nach den Ansprüchen der Kunden, die sehr individuell sein können“, sagt Tognella, der keinen Wert auf
Iso Zertifikate legt. Holzbauliche Leuchtturmprojekte im Kanton Schaffhausen wie die Weinmanufaktur von Wein Stamm in Thayngen, die Ölmühle auf dem Schaffhauser Griesbach oder das im Bau befindliche
Siblinger Randenzentrum sprechen für sich.
Schweizer Bauer, 26. August 2020
Wilchinger Powerfrau setzt noch einen drauf
Die Schaffhauser Bauernsekretärin Virginia Stoll will Präsidentin der Doppelgemeinde Wilchingen-Osterfingen werden.
Nachdem der amtierende Gemeindepräsident Ruedi Leu in der Klettgaugemeinde Wilchingen – Osterfingen auf eine erneute Kandidatur verzichtete und die Suche nach einer
geeigneten Nachfolge erfolglos blieb, hat sich die Schaffhauser Bauernsekretärin Virginia Stoll bereit erklärt, sich am 30. August zur Wahl für das Gemeindepräsidium zu stellen. „Es war mir in den
letzten Wochen fast unmöglich, im Dorf einzukaufen, ohne dass ich von Einwohnern und Gewerbetreibenden animiert wurde, den Hut nochmals in den Ring zu werfen“, sagte Virginia Stoll, die bereits auf
eine lange politische Karriere zurückblicken kann. Seit 2014 ist sie SVP Kantonsrätin, war von 2001 bis 2010 im Wilchinger Gemeinderat und kandidierte bei der letzten Gemeindepräsidentenwahl, bei der
ihr lediglich vier Stimmen zum Erfolg fehlten. „Es war ärgerlich, aber ich musste es akzeptieren“, sagte die 56- Jährige, deren Familie auf dem Wilchinger Plomberg einen 45 Hektaren grossen
Landwirtschaftsbetrieb mit Mutterkuhhaltung und Ackerbau betreibt.
Gute Vernetzung ist eine optimale Voraussetzung
Die gelernte Pharma Assistentin hat verschiedene Weiterbildungen im Sozialversicherungsbereich absolviert und über 20 Jahre lang die Agrisano Geschäftsstelle in Schaffhausen geführt. Auf dem Hof ist
Virginia Stoll für die Administration und den Haushalt zuständig. „Wenn Not am Mann ist, übernehme ich auch allgemeine Hofarbeiten“, sagte sie. Seit 2015 ist sie mit 60 Stellenprozent beim
Schaffhauser Bauernverband als Bauernsekretärin angestellt, wobei sie die Arbeit bereits vor Corona schon im Home Office erledigte. Ehrenamtlich ist Stoll Präsidentin vom Verband Wald Schaffhausen
und vom Schaffhauser Polizeibeamtenverband. Zudem organisiert sie immer wieder grosse Festivitäten und kulturelle Anlässe, wie das deutsch-schweizer Grenzlandtreffen oder die Wilchinger
Landmaschinenausstellung Dampf & Diesel.
Gemeindepräsidentin statt Kantonsrat
„Wenn ich gewählt werde, muss ich mit meinen Ämtern über die Bücher“, sagte Virginia Stoll, die beim Amt der Gemeindepräsidentin von 40 Stellenprozent ausgeht. Ende September wird sie auf keinen Fall
mehr für den Kantonsrat kandidieren. „Ich bin keine Legislativ-Politikerin, die stunden- und tageweise im Ratssaal sitzen will, um über zwei Geschäfte zu plappern, von denen eines dann noch vors Volk
kommt, das vertrage ich nicht“, sagte Stoll und fügte hinzu, dass ihr die Legislative überhaupt nicht liege und ihr dafür schlicht und einfach Geduld und Nerven fehlen. Wenn sie gewählt würde, würde
sie allenfalls auch das Pensum beim Schaffhauser Bauernverband reduzieren. „Alles ist auch eine Sache der Organisation“, sagte die Kandidatin, die die Arbeit generell auf verschiedene Schultern
verteilen würde. Zudem muss sie sich nicht mehr um ihre 24- jährige Tochter Lisa kümmern, die sie neun Jahre bei ihren Auftritten als bekannteste Schweizer Alphornsolistin managte. „Lisa macht das
jetzt selber“, sagte Mutter Virginia.
Der Wald ist eine grosse Herausforderung
Die Gemeinde Wilchingen-Osterfingen besitzt rund 900 Hektaren Wald, der teilweise stark durch die Trockenheit und den Borkenkäferbefall geschädigt ist. Zusammen mit dem neuen Förster vom Forst Südranden will sie eine Strategie gegen den Schädling und für eine zukunftsträchtige Wideraufforstung mit widerstandsfähigen Baumarten entwickeln. Zudem gibt es in Wilchingen und Osterfingen knapp 30 Landwirtschaftsbetriebe mit Ackerbau und Tierhaltung, sowie zahlreiche Rebbauern. Da würde sie insbesondere junge Bauern bei der baulichen Hoferweiterung beratend unterstützen. „Ansonsten sind die Möglichkeiten der Gemeinde begrenzt“, sagte Stoll. Sie erwähnte, dass das Betriebssterben in der Gemeinde mit den zwei Dörfern bereits stattgefunden hat und bei den meisten noch bestehenden Betrieben die Hofnachfolge gesichert ist. Den eigenen Betrieb wird einmal die Tochter Tina übernehmen. Die 21- Jährige lernte Landwirtin, züchtet bereits Angusrinder und beginnt im Herbst ein Agronomiestudium. „Bis jetzt bin ich noch die einzige Kandidatin, aber es kann bis auf den letzten Zwick noch jemand dazu kommen“, sagte Virginia Stoll mit einem sympathischen Lächeln.
Botschafter vom fleischigen Genuss
Südkurier, 12. Januar 2019
"Wenn ein Fachgeschäft bestehen will, muss es sich deutlich erkennbar abheben und darf sich keine Fehler leisten, sonst funktioniert das nicht", betont Bernhard Bächle, der im Markant Landmarkt in Lottstetten selbständig eine Metzgerei führt. Der 57- Jährige Fleischermeister aus Eggingen darf sich zu den 84 Fleisch-Sommeliers zählen, die es in Deutschland gibt und sich zu einem Netzwerk zusammen geschlossen haben. Mit Erfolg absolvierte Bächle in der der Fleischerschule Augsburg einen 14-tägigen Vollzeitkurs mit einem Theorie- und Praxisteil. Von den 25 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet wurden bereits im Vorfeld große Fachkenntnisse verlangt. Da der anspruchsvolle Kunde heute vom Metzger auch ein Wissen verlangt, das über die normale Ausbildung hinausgeht, bietet das Bildungszentrum des Fleischerhandwerks seit Juni 2016 die Zusatzausbildung zum Fleischsommelier an. Den Kursteilnehmern wurde zuerst die Struktur in der Landwirtschaft erklärt. In Deutschland sind etwa 50 Prozent der Landesfläche landwirtschaftliche Nutzfläche, auf der etwa eine Million Menschen auf 285´000 Betrieben arbeiten. Im Jahr 2016 ernährte ein Landwirt 145 Menschen, vor 80 Jahren waren es gerade mal zehn Menschen. Immer weniger Betriebe bewirtschaften immer größere Flächen. Über drei Viertel der gehaltenen Schweine kommen aus der Massentierhaltung von Betrieben mit über 1000 Tieren. Die Masthähnchen kommen fast ausschließlich aus Betrieben mit mehr als 10´000 Tieren und die großen Legehennenbetriebe haben über 50´000 Hühner im Stall. In Deutschland werden jährlich etwa 3,7 Millionen Rinder, 60 Millionen Schweine und 700 Millionen Hühner geschlachtet. Bekannte Dozenten aus der Fleischerbranche erklärten in der Ausbildung zum Fleischsommelier neue Zubereitungsformen und Zerlegetechniken. Das Tier vom Schwanz bis zum Kopf komplett verwertet werden. Zum Kursinhalt gehörten auch die Auswirkungen verschiedener Haltungs- und Fütterungsformen, die sich zweifellos auf den Geschmack des Fleisches auswirken. "Es gibt kein besseres Schweinefleisch, als bei einer Haltung auf Stroh, wo die Sau nicht im Dreck liegt", betont Bächle, der das Angebot in seiner Fleischtheke sukzessive mit neuen Produkten erweitern will. "Ich verkaufe nichts, hinter dem ich nicht voll stehe", betont Bächle, der kein Fleisch aus der Massentierhaltung verkauft. "Bei Billigfleisch muss man sich doch bewusst sein, woher es kommt, anders ist es doch gar nicht möglich", bemerkt der Lottstetter Fleischsommelier Bernhard Bächle.
Der Aussenpolitiker vom Hochrhein geht von Bord
Thurgauer Zeitung 1. März 2018
Nachdem die Amtszeit des Diessenhofer Stadtammanns Walter Sommer im letzten Sommer nach 30 Jahren zu Ende gegangen ist, ist für den Gailinger Bürgermeister Heinz Brennenstuhl nach 32 Jahren nun auch Schluss.
"Schweizer ticken schon etwas anders als Deutsche, das ist aber auch das Schöne, wovon ich viel lernen konnte", sagt Heinz Brennenstuhl, der zu den schweizer Gemeinden Dörflingen, Ramsen und Buch, insbesondere aber zur Thurgauer Nachbargemeinde Diessenhofen als Gailinger Bürgermeister stets einen guten Kontakt pflegte. Zur Thurgauer Nachbargemeinde gab es bereits vor seiner Zeit traditionelle Verbindungen zwischen einigen Vereinen und der Feuerwehr, sowie ein jährliches Ratstreffen mit dem damaligen Stadtammann Erst Ott. Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt wurde Walter Sommer in Diessenhofen zum Stadtammann gewählt. "Ein junger dynamischer Mann" erinnert sich Brennenstuhl. Beide haben vor allem im kulturellen Bereich und bei den Rheinuferprojekten grenzüberschreitend zusammengearbeitet. "Das ganze steht und fällt mit den handelnden Personen", betonte Brennenstuhl, für den die Beziehung zur Schweiz immer eine kleine Aussenpolitik war. Der gebürtige Oberschwabe hat mit dem ehemaligen Kantonspolizeipostenchef Kurt Streil einen deutsch-Schweizer Freundeskreis gegründet und ist Mitglied in der Diessenhofener Zunft Grimmiger Löwe. Dass er in der Thurgauer Nachbargemeinde eine Augustrede halten durfte, sieht er heute noch als grosse Anerkennung an. Mit dem neuen Stadtpräsident Markus Birk ging das gute Verhältnis nahtlos weiter. Beide kennen sich schon lange von ihren Freizeitaktivitäten auf dem Rhein. "Dort kommt unser berühmte Spruch "Wem ghört der Rhy - Üüs", so Brennenstuhl.
Grenzen in den Köpfen
Der Gailinger Rathauschef weiss, dass die Schweizer Nachbarn andere Traditionen und Kulturen haben und wo sie empfindlich sind. Er betont immer wieder, dass an der Landesgrenze beide Seiten profitieren können und die Grenzen überwiegend noch in den Köpfen der Menschen bestehen. "Wir sind schon viel weiter, wie der eine oder andere glaubt, insbesondere bei der sehr konservativen SVP", bemerkt Brennenstuhl, für den die grenzüberschreitende Region ein einmaliger Wirtschafts- Lebens- und Erholungsraum ist: "Wir dürfen da leben und arbeiten, wo andere Urlaub machen". Er bedauert allerdings, dass sich die Schweizer oft in der Opferrolle und die Deutschen als Profiteure sehen. Seiner Meinung nach sind die Dienstleistungsströme jedoch ziemlich ausgeglichen. "Die Deutschen gehen in die Schweiz zum COOP und zum Tanken und wer etwas mehr Geld hat, der braucht auch die Schweizer Banken", so Brennenstuhl.
Er muss lernen, lernen Nein zu sagen
Heinz Brennenstuhl wird am 5. Mai in der Hochrheinhalle offiziell verabschiedet, die im letzten Jahren für 3,6 Millionen saniert wurde und sein letztes grosses Projekt war. Am 9. Mai wird er sie noch einweihen und am 11. Mai ist dann Schluss für den Gailinger Bürgermeister. Obwohl er bereits mehrere Anfragen für ehrenamtliche Tätigkeiten in verschiedenen Fördervereinen und Ausschüssen hat, will er künftig weniger Verantwortung übernehmen und mehr Zeit für sich in Anspruch nehmen. Mehr Zeit auch für sein erstes Enkelkind, das im April erwartet wird.
Info:
Heinz Brennenstuhl ist 62 Jahre alt und stammt aus Messkirch. Der Diplom-Verwaltungswirt ist seit 1984 mit seiner Frau Antonie verheiratet. Die Kinder
Tanja (32), Holger (30) und Maximilian (18) sind bereits erwachsen. Seine Hobbys sind der Wintersport und das Wasser.
Klettgauer Know How in Afrika
Schaffhauser Nachrichten, 8. März 2017
Regierung in Tansania forderte Mehrwertsteuer für Hilfsgüter
Der Rentner Manfred Tröndle aus Erzingen fliegt in diesem Jahr zum vierten Mal nach Tansania und gibt dort Hilfe zur Selbsthilfe. "Gib ihnen einen Fisch, und du ernährst sie für einen Tag, lerne ihnen das Fischen, und Du ernährst sie ein Leben lang", ist der Leitspruch des pensionierten Kraftfahrzeugmeisters Manfred Tröndle, der früher in Erzingen selbständig die Grenzgarage führte. Auf die Idee der besonderen Hilfeleistung brachte ihn sein Schwager Josef Vogt, der im Jahr 2011 mit der Pfarrgemeinde Rickenbach im Schwarzwald ein privates Hilfsprojekt für die tansanische Gemeinde Hale ins Leben rief. Bei seinem ersten Besuch im afrikanischen Dorf sah Vogt, wie dringend dort ein Traktor benötigt wurde. Die Pfarrgemeinde Rickenbach organisierte einen gebrauchten John Deere Traktor, den Manfred Tröndle und sein Schwager herrichteten und mit landwirtschaftlichen Anbaugeräten wie Pflug und Egge ausrüsteten. "Die Menschen in Afrika brauchen Maschinen, die einfach zu bedienen sind", betonte Tröndle. Nachdem alles verschifft war, konnte in Hale die Selbstversorgung angestossen werden, indem Felder gepflügt und Mais und Sonnenblumen angepflanzt wurden. Vor der Arbeit wird gebetet Da es in Hale auch eine Begleitung mit dem Umgang und der Wartung der Maschinen brauchte, sass Manfred Tröndle im Mai 2014 zum ersten mal im Flieger nach Tansania. Die Kosten für den elfstündigen Flug zahlte er aus der eigenen Tasche, für Kost und Logis kümmert sich der dortigen Pfarrer Thomas Msagati. Luxus und Genuss kennt man in Hale nicht und das Essen dient lediglich zum Selbsterhaltungszweck. Der Tag beginnt um 6.30 Uhr mit dem Gottesdienst und endet jeden Abend um 19 Uhr, wenn es dunkel wird. Die Arbeitsbedingungen sind sehr umständlich und es muss viel improvisiert werden, denn der Traktor ist so wichtig, dass er nicht ausfallen darf. Die beiden Entwicklungshelfer installierten zudem eine Solaranlage und rüsteten die Beleuchtung beim Pfarrhaus auf LED um, da es im labilen Stromnetz immer wieder zu Stromausfall kam und alles still gelegt wurde. Da schnell erkannt wurde, dass es im Dorf noch an allen Ecken fehlte, wurden im folgenden Jahr mit Spendengelder eine Getreide- und Maismühle sowie eine Ölpresse angeschafft, womit die Leute ihre Lebensmittel haltbar machen können. Boykott stoppte Hilfsprojekt Als die Flugtickets gebucht und der Container unterwegs war, bekam die Hilfsaktion einen jähen Dämpfer, denn die Regierung von Tansania setzte für die Hilfsgüter eine Mehrwertsteuer in Höhe von 6000 Euro fest. Nachdem die Bischofskonferenz von Tansania zum Boykott aufgerufen hatte, blieb der Container im Hafen stehen, bis die Sache geklärt war. Mit einer zweimonatigen Verzögerung konnten Tröndle und Vogt die Maschinen dann doch noch in Betrieb nehmen und die Menschen einweisen. Da der Traktor im Jahr rund 500 Betriebsstunden leistet, musste Manfred Tröndle im letzten Jahr umfangreiche und kostspielige Wartungs- und Reparaturarbeiten durchführen. Die Arbeit trägt bereits die ersten Früchte, denn die Solaranlage arbeitet im dritten Jahr störungsfrei und die Mühlen tragen einen bedeutenden Anteil zur Selbstversorgung bei. "Es wächst eine junge hochmotivierte, lernbegierige und fleissige Generation heran", freut sich der Erzinger Entwicklungshelfer, der die Menschen in Hale als dankbar, hilfsbereit und freundlich bezeichnet. Da das private Hilfsprojekt an keine Organisation angebunden ist und die Spenden direkt ankommen, hat sich die Spendenbereitschaft vom Hotzenwald bis in den Klettgau ausgeweitet.
Zeitzeuge im Wind der Zeit
Hochrhein Anzeiger, 18. Mai 2016
Als die Regisseurin Corinna Vogt für das Ühlinger Freilichttheater "Im Wind der Zeit" die Sprachrollen verteilte, kamen dem Lottstetter Laienschauspieler Werner Huber die Tränen. Er spielt einen Lottstetter Bauer, der nach dem Krieg vom Jestetter Zipfel ins Schlüchttal evakuiert wird. Er hat diese furchtbare Zeit damals selbst als Sechsjähriger Bub erlebt. Die Erinnerungen und Emotionen, die Huber ein Leben lang begleiteten, waren plötzlich wieder ganz nah. Die Bilder sind in sein Gedächtnis eingemeißelt. Er kann sich gut daran erinnern, als der Lottstetter Dorfpolizist Willi Straub an jenem 14. Mai 1945 die Schreckensnachricht ausrief, dass die Lottstetter Bevölkerung bereits am nächsten Morgen das Dorf verlassen muss. Die Bauersfamilie Huber mit den vier Kindern musste nachts zwei Fuhrwerke laden, da sie auch die in ihrem Haus wohnende Frau des Dorfmetzgers mit den beiden Kindern und die Nachbarin Else Brand mitnehmen mussten. "Ich sehe heute noch, wie wir bei der Jestetter Sägerei standen und den nicht enden wollende Flüchtlingszug sahen, der aus Jestetten und Altenburg kam", erinnert sich Huber. Insgesamt wurden damals 3500 Menschen aus dem Jestetter Zipfel evakuiert. Wenige Personen durften daheim bleiben, um das zurückgelassene Vieh der Bauern zu versorgen. "Auch der Lottstetter Engelwirt durfte bleiben, da die Franzosen gerne gut gegessen haben", bemerkt Huber. Viele der von Kühen gezogenen Fuhrwerke kamen im Baltersweiler Wald nur schleppend voran. Der kleine Werner bekam immer Angst, als die verärgerten Franzosen mit ihren Gewehren in den Jeeps am Flüchtlingstreck vorbeifuhren. In Dettighofen wurde das erste Mal in einem Geräteschuppen auf dem Heu übernachtet und in Lauchringen wurde der Flüchtlingsstrom auf das Steinatal und das Schlüchttal aufgeteilt. Als es bei Krenkingen steil bergauf ging, mussten die dortigen Bauern zusätzlich Vieh vorspannen. In Birkendorf glaubte die Familie Huber eine Bleibe gefunden zu haben, die sie jedoch nach zwei Tagen wieder für Soldaten aus den Marokkanischen Kolonien räumen mussten. Letztendlich kamen die Hubers zur Familie Probst nach Riedern am Wald und es dauerte bis Ende Juli, bis sie wieder heimkehren durften. "Die Kühe sind viel schneller gelaufen, sie haben gespürt, dass es wieder heim geht", erinnert sich Werner Huber. Lange Zeit hatte er den Bezug zur Familie Probst aufrecht erhalten, doch nach Generationen hat man sich aus den Augen verloren. "Das Bauernhaus von damals steht aber heute noch", sagt Huber. Rund 30 Personen der Traktorenfreunde aus dem Jestetter Zipfel spielen bei dem Freilichtspiel die Szene, als die Flüchtlinge nach Ühlingen kamen und die Einwohner sich der Herausforderung stellten, diese Leute trotz der schweren Zeit aufzunehmen. Zurzeit fährt Werner Huber jede Woche zum Proben nach Ühlingen. Das Freilichtspiel wird anlässlich des 1200 Jahr Jubiläums aufgeführt und erzählt die Geschichte von Ühlingen zwischen 1889 und 1947.
Der 77- jährige Werner Huber aus Lottstetten spielt bei den Ühlinger Freilichtspielen in der Szene mit, wo der Flüchtlingezug aus dem Jestetter Zipfel in Ühlingen eintrifft. Er hat diese Szenen damals als sechsjähriger Bub selbst miterlebt. Huber hat zahlreiche Presseartikel über die Evakuierung des Jestetter Zipfels gesammelt.
Tubenauspresser mit sozialem Hintergrund
Bülacher Wochenspiegel, 18. Februar 2015
Dölf Sigrist aus der Zürcher Unterlandgemeinde Wil stellt exklusive Tubenauspresser her. Was bei ihm aus der Not entstanden ist, ist zum leidenschaftlichen Nebenerwerbsjob geworden.
Als Dölf Sigrist im Jahr 2003 kurzzeitig arbeitslos war, kam ihm bei einem Spaziergang die spontane Idee, einen Tubenauspresser anzufertigen. Zuhause hatte er allerhand Tuben die immer wieder schlecht ausgedrückt wurden. Die bisherigen Tubenschlüssel waren so billig gemacht, dass sie immer wieder abgebrochen sind. Es begann in der Garage in Wil
Sigrist hat ein Tubenauspresser aus eloxiertem Aluminium entwickelt, der stabil ist, auf den Tisch passt und auch im Kühlschrank platzsparend verstaubar ist. Dank der drei verschiedenen Grössen passen die Schlüssel auf alle gängigen Aluminium-Tuben und durch die Hebelwirkung kann die Tube bis auf den letzten Rest ausgedrückt werden. "Und er hält ewig", betont Sigrist, der das Design des Tubenschlüssels schützen liess. Die Umsatzzahlen sind steigend, da es für die Konkurrenz zu aufwändig ist, swiss- und handmade zu produzieren. Die ersten Ausdrücker hat er zuhause in der Unterlandgemeinde Wil produziert, die erste grössere Serie bei seinem Kollegen Walter Meichtry in Rafz. Nachdem Sigrist seine neue Arbeitsstelle bei einer Telekommunikationsfirma antrat, ist sein Nebenerwerb wieder eingeschlafen. Erst im Januar 2014 hat er die Produktion wieder aufgenommen. "Ich brauchte wieder eine neue Herausforderung", so Sigrist. Mittlerweile liess er über 3000 Tubenschlüssel produzieren, allein im Jahr 2014 waren es über 2000 Stück. Inzwischen stellt die mechanische Werkstätte der Stiftung Wisli die Tuben Auspresser her. Dölf Sigrist reduzierte mittlerweile seine Anstellung als Prozessmanager auf 80 Stellenprozente und erledigt im Nebenerwerb von zuhause aus Werbung, Verpackung und den Vertrieb seiner eigenen Firma. Zudem machte er einen Goldschmiedekurs und fertigt in seinem Atelier Silberschmuck an.
Der soziale Aspekt
Mittlerweile lässt Sigrist seine Tubenschlüssel in der mechanischen Werkstätte in der Stiftung Wisli in Bülach produzieren. Der Gruppenleiter Samuel Lerch, ausgebildeter Sozialpädagoge und Maschinenmechaniker, ist froh, dass er den Wilemer als Kunde hat. In der mechanischen Abteilung der geschützten Werkstätte, in der zurzeit elf Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung arbeiten, kann der Gruppenleiter einen breiten Arbeitsbereich abdecken. Die Alustangen werden mit der Drehmaschine abgelängt, bevor der Schlitz und der V-Ausschnitt ausgefräst werden. Zudem müssen Löcher für den Hebel gebohrt und ausgerieben werden, damit der Hebel dann passgenau eingesetzt werden kann. Die Hauptarbeiten sind die Entgratungsarbeiten, die von Hand ausgeführt werden. Den farblichen Touch bekommen die Tubenschlüssel durch eine externe Industrieeloxierung. Neben den Grundfarben grün, blau und rot stehen nahezu 50 weitere Farbtöne zur Auswahl. Zum Schluss kann der Tubenauspresser noch mit Laser beschriftet werden. Das Ziel bei den subventionierten Arbeitsplätzen ist nicht die Massenproduktion und der Profit. Die Beschäftigten sollen wieder in eine geordnete Tagesstruktur und in die Gesellschaft integriert werden. Dabei spielen die sozialen Kontakte in der Werkstatt eine gewichtige Rolle. Obwohl bei der Arbeit kein Zeitdruck entsteht, hat das Wisli noch Kapazitäten frei und könnte mehr produzieren. "Die Mitarbeiter im Wisli leisten absolute Präzisionsarbeit", lobt Sigrist, der auch die angenehme Zusammenarbeit rühmt. "Ich will nicht weg vom Wisli", sagte Dölf Sigrist, als er einmal eine Anfrage für eine grosse Stückzahl hatte und dankend ablehnte. Für diesen Auftrag wäre eine Automatisierung nötig gewesen, die das Wisli nicht bieten könnte. Für Dölf Sigrist ist der soziale Aspekt sehr wichtig. "Mir selbst geht es gut und deshalb unterstütze ich gerne bedürftige Menschen", ist sein Leitspruch. Viele Firmen wollen mittlerweile weg von den Kalendern und Kugelschreibern und wollen lieber etwas Nützliches verschenken. Sigrist verkauft seine "swiss- und handmade" Produkte auf Koffer- Jahr- und Weihnachtsmärkten, sowie im Internet unter www.dselect.ch. Die Tubenausdrücker werden auch zu verschiedenen Sets zusammengestellt und in Designerkartonagen mit integrierter Glückwunschkarte verschickt. "Ich habe noch einige Ideen, die sind aber noch nicht spruchreif", verrät Dölf Sigrist, der Sachen auf einfache Art und Weise produzieren will, die schlicht und funktionell sind und ein schönes Design haben.
Lottstetten trauert um Helmut Buchter
Südkurier, 17. Januar 2014
Großer Trauergottesdienst in der Valentinskirche
Eine überaus große Trauergemeinde nahm Abschied von Helmut Buchter, der im Alter von 81 Jahren nach längerer Krankheit überraschend starb. Pfarrer Richard Dressel ging in der vollbesetzten Valentinskirche auf das Leben des Verstorbenen ein, der bis wenige Wochen vor seinem Tod in Lottstetten als Mesner tätig war. Helmut Buchter wurde 1932 in Lottstetten geboren, wo er mit seiner Schwester Helga aufgewachsen ist. Seine Kindheit fiel in die Schreckenszeit des NS Regimes. Der Krieg ging zu Ende, als der kleine Helmut 13 Jahre alt war. Der Vater kam erst viel später aus dem Krieg zurück und so musste Helmut Buchter früh auf dem elterlichen Obstbetrieb mit anpacken. In der Bauernschule lernte er seine Frau Gerda kennen, die er 1957 in der Lottstetter Valentinskirche heiratete. In diesem Jahr übernahm er auch den Betrieb der Eltern. Aus der Ehe gingen die Kinder Andrea, Helga, Helmut und Daniel hervor. Zehn Enkelkinder waren der besondere Stolz des Verstorbenen. Im Jahr 2007 konnten Helmut und Gerda Buchter in "seiner" Valentinskirche die Goldene Hochzeit feiern. Das politische und gesellschaftliche Engagement lag dem Verstorbenen sehr am Herzen. Von 1962 bis 1994 gehörte er 32 Jahre dem Lottstetter Gemeinderat an. Als Mitglied des Bauausschusses hat er das Erscheinungsbild der Gemeinde maßgeblich geprägt. Helmut Buchter war 40 Jahre in der Freiwilligen Feuerwehr Lottstetten und etwa 30 Jahre im freiwilligen Polizeidienst. Zudem war er 36 Jahre Aufsichtsratsmitglied der ehemaligen Volksbank, in der Vorstandschaft der Genossenschaft und Gewerbeschullehrer. Da sein Leben stark vom christlichen Glauben geprägt war, hat er 1995 den Mesnerdienst in der katholischen Pfarrgemeinde aufgenommen. Helmut Buchter erzählte immer wieder von einem besonderen Abkommen, das er geschlossen hatte: "Als ich einmal schwer krank war, habe ich dem Hergott versprochen, Wenn Du mir noch ein paar Jahre gibst, will ich Dir bis zum Ende meiner Tage dienen". Dieses Versprechen hat Helmut Buchter eingehalten. Für viele Ministranten war er in dieser Zeit ein väterlicher Freund. Die Enkelin Margrit, die in der Pfalz daheim ist, erinnerte sich beim Abdankungsgottesdienst an die bewegenden Worte, die ihr Großvater an seine Enkel gerichtet hatte, als er krank wurde: "Was auch immer ihr im Leben tut, tut es ganz und euer Dasein wird erfüllt sein und einen Sinn haben. Vergesst euren Herrgott nicht und seine Fürsorge und Liebe wird immer bei euch sein".
Werner Hauser ist tot
Südkurier, 4. Juni 2012
Werner Hauser, Besitzer des Lottstetter Landgasthauses Nackermühle ist tot. Am vergangenen Samstag erlitt er beim Holz machen einen gesundheitlichen Zusammenbruch. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Universitätsklinik Freiburg ist er in den frühen Morgenstunden des 31. Mai verstorben. Werner Hauser wurde 1937 als jüngster Sohn von Heinrich und Elise Hauser geboren und wuchs auf der Landwirtschaft im Lottstetter Weiler Nackermühle mit drei Brüdern und fünf Schwestern auf. Bereits mit 13 Jahren verlor er seine Mutter durch eine Krankheit. Zehn Jahre später starb Vater Heinrich durch einen Traktorunfall. Werner Hauser übernahm die Landwirtschaft, die er mit einem Holz, Heu- und Strohhandel erweiterte. Hauptsächlich Schweizer Bergbauern wurden beliefert. Seine Handelsfirma war so groß, dass er verschiedene Scheunen anmieteten musste. In der Lottstetter Engelscheune hatte er damals bis zu 20 Lastzüge Heu und Stroh eingelagert. Bereits im Jahr 1958, als man im Ort noch mit der Dreschmaschine das Getreide drosch, schaffte er sich einen Mähdrescher an. 1971 baute er das landwirtschaftliche Anwesen zum Restaurant „Nackermühle“ um. Die Gaststätte führte er bis 1998, danach verpachtete er das Landgasthaus. Ein schwerer Schicksalsschlag für Werner Hauser war der frühe Tod seines einzigen Kindes. Sohn Peter kam im August 1982 beim Stroh verladen durch einen Verkehrsunfall im Alter von 14 Jahren ums Leben. Nachdem schon der Vater durch einen Unfall sein Leben verlor, ereilte den Sohn das gleiche Schicksal. Im Jahr 1985 errichtete Werner Hauser in der Lottstetter Tiergartenstraße ein Eigenheim, in dem er mit seiner Frau „Gina“ wohnte. Georgina Wood, die gebürtige Schottin aus Glasgow, heiratete er am 4. Oktober 1990. Werner Hauser war 17 Jahre im Lottstetter Gemeinderat. Seinen Holzhandel betrieb er trotz seiner angeschlagenen Gesundheit bis zum Tage seines Todes. Die Beerdigung findet am Mittwoch, 6. Juni, 14 Uhr, auf dem Friedhof in Lottstetten statt.
Jubiläum
veröffentlicht am 1.02.2011 im Südkurier und Alb Bote
Ich hab als kleiner Bub schon gerne gesungen
Lottstetten (thg) Siegfried Schaub aus dem Lottstetter Ortsteil Balm wurde für 50 Jahre aktives Singen im Männerchor „Eintracht 1847“ Lottstetten geehrt. „Ich hab schon als Bub gerne gesungen“, blickt er an die Anfangstage seiner Sangeslaufbahn zurück. Ein Auftritt mit der Schule bei einer Engelsmesse in der Lottstetter Valentinskirche war für ihn der Knackpunkt. Als 19- jähriger trat er dann dem Männerchor bei. Vorsitzender war damals sein zukünftiger Schwiegervater Arthur Henes. Dirigent war Fritz Rupprecht, ein pensionierten Lehrer mit „harter Gangart“. Weiter hat Schaub unter den Dirigenten Oskar Schmid, Gottlieb Meier und dem aktuellen Dirigenten Georg Boller gesungen. Gerne erinnert er sich an das „Ständerli“ seiner Sängerkameraden bei seiner Hochzeit im Jahr 1970. Eine große Sache war auch die Durchführung des Nacker Weinfestes. Die Ausflüge nach Südtirol oder Heiligenberg am Bodensee waren seine gesellschaftlichen Höhepunkte. Die Konzertreisen nach Polen und Ungarn waren ganz klar die kulturellen Highlights. Als der junge Sänger „Sigi“ Schaub im Jahr 1969 seine Freundin Elfriede Henes aus der Gesangprobe beim Kirchenchor abholte, war es um ihn geschehen. Mathilde Keller redete so lange an ihn hin, bis er auch dort Mitglied war. Und das mittlerweile auch schon über 40 Jahre. Das Singen war für den fünffachen Familienvater ein Leben lang der Ausgleich für seine harte Arbeit als Land- und Forstwirt. „Man würde sonst nur die Arbeit kennen“, so Schaub. Während der Erntezeit ging manche Probe ohne den „Schaub Sigi“ über die Bühne. Doch mittlerweile hat er sich zu einem der besten Probenbesucher gemausert. Als die Lottstetter Feuerwehr zu wenige Mitglieder hatte, bestimmte der damalige Bürgermeister Max Keller ortsansässige Männer zum Feuerwehrdienst. Dass da die Bauern, die es verstanden anzupacken, begehrt waren, versteht sich von selbst. So wurde er gezwungenermaßen zum Vereinsmeier. Der Balmer Bauer spielte dazu auch noch sechs Jahre Fußball beim Sportverein. „Damals hab ich auch gedacht, ein Sonntag ohne Fußball sei kein Sonntag“, schmunzelt er mit seinem verschmitzten Lächeln. Heute fühlt er sich sehr wohl bei seinen Sängerkollegen vom Männerchor, der von seinem Schwager Max Henes geführt wird. Siegfried Schaub singt weiterhin mit viel Freude den Ersten Bass. Und das am liebsten dann, wenn eine Wiener Operette auf seinem Notenständer liegt.
Geburtstag
Hilda Nun
aus dem Lottstetter Ortsteil Nack feiert als älteste Einwohnerin der Gemeinde am Sonntag, 13. Mai ihren 99. Geburtstag. „Mit viel Gottvertrauen und einer positiven Lebenseinstellung, mit Freude an den Blumen und jeden Tag ein Gläschen Rotwein, so wird man 100 Jahre alt“, weiss die zufriedene Jubilarin. Sie versorgt sich grösstenteils noch selbst und ist besonders geistig noch sehr fit. Man sieht sie auch noch beim täglichen Spaziergang. Hilda Nun erblickte 1908 als Tochter der Eheleute Karl und Wilhelmine Degen im Ortsteil Nack das Licht der Welt und wuchs im Kreise ihrer vier Geschwister auf dem elterlichen Bauernhof auf. Sie erlebte die Inflation und zwei Weltkriege. Infolge eines Kriegsleidens verlor sie auch ihren Bruder Oswald. Im Jahre 1942 heiratete sie Ernst Nun. Als die Schwiegermutter gestorben war, zogen sie nach Rastatt und versorgten den Schwiegervater mit dem eigenen Glasereibetrieb. Die Ehe mit Ernst Nun blieb kinderlos. Bereits nach elf Jahren Ehe verstarb ihr Ehemann im Jahre 1953. Danach zog es sie wieder in die alte Heimat zurück. Im Jahre 1956 kaufte sie sich ihren ersten Fiat 600. Dem sollten noch weitere 15 Autos dieser Marke folgen. Damit verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt. Zuerst mit Fahrten zum Doktor, dann mit Ausflugsfahrten und Krankentransporten. Des Weiteren machte sie Besorgungen für das Gasthaus Kranz und war als die gute Seele des Hauses nicht wegzudenken. Bis zu ihrem 95. Lebensjahr war sie mit dem eigenen Auto mobil. Eine Reise mit der Alt - Kranzwirtin Anna Rieger, zu deren ausgewandertem Sohn Ernst, nach Windhook in Südafrika war ihre "Reise des Lebens". Nicht zu vergessen, als die "Nunin", wie sie im Ort liebevoll genannt wird, über dreissig Jahre als Nikolaus um die Häuser zog. Ihre unverwechselbar tiefe Stimme liegt noch heute so manchem mittlerweile Betagtem im Ohr. Die Jubilarin wohnt im ersten Stock des Hauses, das der längst verstorbene Bruder Eugen erbaut hatte. Die Mühen des Alltages werden ihr von der Sozialstation, Freunden und Nachbarn abgenommen. Welche Wünsche hat man als 99-jährige? „Einmal noch möchte ich mit dem Auto über den Sustenpass fahren, vielleicht wird mir dieser Wunsch noch erfüllt". (thg)
Nachruf
Erwin Bölle
30.12.2005 - veröffentlicht im Südkurier und Alb Bote
Am Weihnachtstag ist Erwin Bölle aus Lottstetten-Nack gestorben. Eine überaus grosse Trauergemeinde nahm Abschied auf dem Lottstetter Friedhof. Pfarrer Stephan Schmidt erinnerte in seiner Trauerrede an den Lebensweg des Verstorbenen. Erwin Bölle erblickte 1935 in Bettmaringen das Licht der Welt und wuchs mit vier Geschwister auf dem elterlichen Bauernhof von August und Maria Bölle auf. Er sollte als ältester Sohn ursprünglich den landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen. Als Erntehelfer verdiente er sich in den Sommermonaten etwas Zubrot bei Alfred Kübler in Lottstetten - Nack. Dort lernte er Marlies Güntert kennen und die beiden heirateten im Jahr 1962. Der Ehe wurden drei Töchter und ein Sohn geschenkt. Erwin Bölle übernahm dann den Betrieb seiner Schwiegereltern Franz und Sophie Güntert und führte diesen anfangs noch zum Haupterwerb. Der Verstorbene war zudem als Waldarbeiter bei der Gemeinde Lottstetten tätig. Fünf Jahre gehörte Erwin Bölle dem Lottstetter Gemeinderat an. Im Jahr 1970 schaffte er die Viehwirtschaft ab und arbeitete in der SIG in Neuhausen / Schweiz, wo er bis zur Pensionierung im Jahr 1998 tätig war. Ein schwerer Schicksalsschlag war es, als seine Frau Marlies kurz vor der Pensionierung verstarb. Erwin Bölle versorgte sich seitdem selbst und meisterte seinen Ruhestand bestens. Viel Kraft nahm er aus dem christlichen Glauben, den er auch lebte. Vor knapp einem Jahr erkrankte Erwin Bölle schwer und verstarb jetzt an den Folgen dieser Krankheit.Der Musikverein "Harmonie" Lottstetten umrahmte die Beisetzung in einem feierlichen Rahmen und seine Musikkameraden hielten die Ehrenwache am Sarg. Christian Frey, erster Vorsitzender, erinnerte an den Musikkameraden und das Ehrenmitglied Erwin Bölle. Im vergangenen Sommer überbrachte der Musikverein noch die musikalischen Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag und konnte mit ihm diesen Tag feiern. Zusammen war er nahezu 40 Jahre aktiver Musiker in Bettmaringen und Lottstetten und hat das Tenorhorn geblasen. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Helmut Buchter junior erinnerte an die neunjährige Tätigkeit im Pfarrgemeinderat und legte eine Blumenschale nieder. Neben den Kindern trauern ebenso fünf Enkelkinder um ihren gutmütigen Opa. Die kleine Dorfgemeinschaft des Lottstetter Ortsteils Nack verliert in ihm einen stets hilfsbereiten und sehr beliebten Mitbürger. (thg)
Familienjubiläum
Immer wieder Balm
2.7.2010 - veröffentlicht im Südkurier und Alb Bote