Botschafter vom fleischigen Genuss

Südkurier, 12. Januar 2019

"Wenn ein Fachgeschäft bestehen will, muss es sich deutlich erkennbar abheben und darf sich keine Fehler leisten, sonst funktioniert das nicht", betont Bernhard Bächle, der im Markant Landmarkt in Lottstetten selbständig eine Metzgerei führt. Der 57- Jährige Fleischermeister aus Eggingen darf sich zu den 84 Fleisch-Sommeliers zählen, die es in Deutschland gibt und sich zu einem Netzwerk zusammen geschlossen haben. Mit Erfolg absolvierte Bächle in der der Fleischerschule Augsburg einen 14-tägigen Vollzeitkurs mit einem Theorie- und Praxisteil. Von den 25 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet wurden bereits im Vorfeld große Fachkenntnisse verlangt. Da der anspruchsvolle Kunde heute vom Metzger auch ein Wissen verlangt, das über die normale Ausbildung hinausgeht, bietet das Bildungszentrum des Fleischerhandwerks seit Juni 2016 die Zusatzausbildung zum Fleischsommelier an. Den Kursteilnehmern wurde zuerst die Struktur in der Landwirtschaft erklärt. In Deutschland sind etwa 50 Prozent der Landesfläche landwirtschaftliche Nutzfläche, auf der etwa eine Million Menschen auf 285´000 Betrieben arbeiten. Im Jahr 2016 ernährte ein Landwirt 145 Menschen, vor 80 Jahren waren es gerade mal zehn Menschen. Immer weniger Betriebe bewirtschaften immer größere Flächen. Über drei Viertel der gehaltenen Schweine kommen aus der Massentierhaltung von Betrieben mit über 1000 Tieren. Die Masthähnchen kommen fast ausschließlich aus Betrieben mit mehr als 10´000 Tieren und die großen Legehennenbetriebe haben über 50´000 Hühner im Stall. In Deutschland werden jährlich etwa 3,7 Millionen Rinder, 60 Millionen Schweine und 700 Millionen Hühner geschlachtet. Bekannte Dozenten aus der Fleischerbranche erklärten in der Ausbildung zum Fleischsommelier neue Zubereitungsformen und Zerlegetechniken. Das Tier vom Schwanz bis zum Kopf komplett verwertet werden. Zum Kursinhalt gehörten auch die Auswirkungen verschiedener Haltungs- und Fütterungsformen, die sich zweifellos auf den Geschmack des Fleisches auswirken. "Es gibt kein besseres Schweinefleisch, als bei einer Haltung auf Stroh, wo die Sau nicht im Dreck liegt", betont Bächle, der das Angebot in seiner Fleischtheke sukzessive mit neuen Produkten erweitern will. "Ich verkaufe nichts, hinter dem ich nicht voll stehe", betont Bächle, der kein Fleisch aus der Massentierhaltung verkauft. "Bei Billigfleisch muss man sich doch bewusst sein, woher es kommt, anders ist es doch gar nicht möglich", bemerkt der Lottstetter Fleischsommelier Bernhard Bächle.

 

 
 
 
 
 
 
 
Bernhard Bächle ist zertifizierter Fleischsommelier. Bei ihm gibt es kein Fleisch aus der Massentierhaltung.

 

Der Aussenpolitiker vom Hochrhein geht von Bord

Thurgauer Zeitung 1. März 2018

Nachdem die Amtszeit des Diessenhofer Stadtammanns Walter Sommer im letzten Sommer nach 30 Jahren zu Ende gegangen ist, ist für den Gailinger Bürgermeister Heinz Brennenstuhl nach 32 Jahren nun auch Schluss.

"Schweizer ticken schon etwas anders als Deutsche, das ist aber auch das Schöne, wovon ich viel lernen konnte", sagt Heinz Brennenstuhl, der zu den schweizer Gemeinden Dörflingen, Ramsen und Buch, insbesondere aber zur Thurgauer Nachbargemeinde Diessenhofen als Gailinger Bürgermeister stets einen guten Kontakt pflegte. Zur Thurgauer Nachbargemeinde gab es bereits vor seiner Zeit traditionelle Verbindungen zwischen einigen Vereinen und der Feuerwehr, sowie ein jährliches Ratstreffen mit dem damaligen Stadtammann Erst Ott. Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt wurde Walter Sommer in Diessenhofen zum Stadtammann gewählt. "Ein junger dynamischer Mann" erinnert sich Brennenstuhl. Beide haben vor allem im kulturellen Bereich und bei den Rheinuferprojekten grenzüberschreitend zusammengearbeitet. "Das ganze steht und fällt mit den handelnden Personen", betonte Brennenstuhl, für den die Beziehung zur Schweiz immer eine kleine Aussenpolitik war. Der gebürtige Oberschwabe hat mit dem ehemaligen Kantonspolizeipostenchef Kurt Streil einen deutsch-Schweizer Freundeskreis gegründet und ist Mitglied in der Diessenhofener Zunft Grimmiger Löwe. Dass er in der Thurgauer Nachbargemeinde eine Augustrede halten durfte, sieht er heute noch als grosse Anerkennung an. Mit dem neuen Stadtpräsident Markus Birk ging das gute Verhältnis nahtlos weiter. Beide kennen sich schon lange von ihren Freizeitaktivitäten auf dem Rhein. "Dort kommt unser berühmte Spruch  "Wem ghört der Rhy - Üüs", so Brennenstuhl.

Grenzen in den Köpfen

Der Gailinger Rathauschef weiss, dass die Schweizer Nachbarn andere Traditionen und Kulturen haben und wo sie empfindlich sind. Er betont immer wieder, dass an der Landesgrenze beide Seiten profitieren können und die Grenzen überwiegend noch in den Köpfen der Menschen bestehen. "Wir sind schon viel weiter, wie der eine oder andere glaubt, insbesondere bei der sehr konservativen SVP", bemerkt Brennenstuhl, für den die grenzüberschreitende Region ein einmaliger Wirtschafts- Lebens- und Erholungsraum ist: "Wir dürfen da leben und arbeiten, wo andere Urlaub machen". Er bedauert allerdings, dass sich die Schweizer oft in der Opferrolle und die Deutschen als Profiteure sehen. Seiner Meinung nach sind die Dienstleistungsströme jedoch ziemlich ausgeglichen. "Die Deutschen gehen in die Schweiz zum COOP und zum Tanken und wer etwas mehr Geld hat, der braucht auch die Schweizer Banken", so Brennenstuhl.

Er muss lernen, lernen Nein zu sagen

Heinz Brennenstuhl wird am 5. Mai in der Hochrheinhalle offiziell verabschiedet, die im letzten Jahren für 3,6 Millionen saniert wurde und sein letztes grosses Projekt war. Am 9. Mai wird er sie noch einweihen und am 11. Mai ist dann Schluss für den Gailinger Bürgermeister. Obwohl er bereits mehrere Anfragen für ehrenamtliche Tätigkeiten in verschiedenen Fördervereinen und Ausschüssen hat, will er künftig weniger Verantwortung übernehmen und mehr Zeit für sich in Anspruch nehmen. Mehr Zeit auch für sein erstes Enkelkind, das im April erwartet wird. 

 

 

Info:

Heinz Brennenstuhl ist 62 Jahre alt und stammt aus Messkirch. Der Diplom-Verwaltungswirt ist seit 1984 mit seiner Frau Antonie verheiratet. Die Kinder

Tanja (32), Holger (30) und Maximilian (18) sind bereits erwachsen. Seine Hobbys sind der Wintersport und das Wasser.

 

 

 
 
 
Der Gailinger Bürgermeister Heinz Brennenstuhl war in seiner 32- jähriger Amtszeit auch ein Aussenpolitiker, der die Beziehung zur Schweiz sehr pflegte.

Klettgauer Know How in Afrika

Schaffhauser Nachrichten, 8. März 2017

Regierung in Tansania forderte Mehrwertsteuer für Hilfsgüter

Der Rentner Manfred Tröndle aus Erzingen fliegt in diesem Jahr zum vierten Mal nach Tansania und gibt dort Hilfe zur Selbsthilfe.                                                                            "Gib ihnen einen Fisch, und du ernährst sie für einen Tag, lerne ihnen das Fischen, und Du ernährst sie ein Leben lang", ist der Leitspruch des pensionierten Kraftfahrzeugmeisters Manfred Tröndle, der früher in Erzingen selbständig die Grenzgarage führte. Auf die Idee der besonderen Hilfeleistung brachte ihn sein Schwager Josef Vogt, der im Jahr 2011 mit der Pfarrgemeinde Rickenbach im Schwarzwald ein privates Hilfsprojekt für die tansanische Gemeinde Hale ins Leben rief. Bei seinem ersten Besuch im afrikanischen Dorf sah Vogt, wie dringend dort ein Traktor benötigt wurde. Die Pfarrgemeinde Rickenbach organisierte einen gebrauchten John Deere Traktor, den Manfred Tröndle und sein Schwager herrichteten und mit landwirtschaftlichen Anbaugeräten wie Pflug und Egge ausrüsteten. "Die Menschen in Afrika brauchen Maschinen, die einfach zu bedienen sind", betonte Tröndle. Nachdem alles verschifft war, konnte in Hale die Selbstversorgung angestossen werden, indem Felder gepflügt und Mais und Sonnenblumen angepflanzt wurden.                                                                                                                      Vor der Arbeit wird gebetet                                                                                                           Da es in Hale auch eine Begleitung mit dem Umgang und der Wartung der Maschinen brauchte, sass Manfred Tröndle im Mai 2014 zum ersten mal im Flieger nach Tansania. Die Kosten für den elfstündigen Flug zahlte er aus der eigenen Tasche, für Kost und Logis kümmert sich der dortigen Pfarrer Thomas Msagati. Luxus und Genuss kennt man in Hale nicht und das Essen dient lediglich zum Selbsterhaltungszweck. Der Tag beginnt um 6.30 Uhr mit dem Gottesdienst und endet jeden Abend um 19 Uhr, wenn es dunkel wird. Die Arbeitsbedingungen sind sehr umständlich und es muss viel improvisiert werden, denn der Traktor ist so wichtig, dass er nicht ausfallen darf. Die beiden Entwicklungshelfer installierten zudem eine Solaranlage und rüsteten die Beleuchtung beim Pfarrhaus auf LED um, da es im labilen Stromnetz immer wieder zu Stromausfall kam und alles still gelegt wurde. Da schnell erkannt wurde, dass es im Dorf noch an allen Ecken fehlte, wurden im folgenden Jahr mit Spendengelder eine Getreide- und Maismühle sowie eine Ölpresse angeschafft, womit die Leute ihre Lebensmittel haltbar machen können.                                                                                                                                   Boykott stoppte Hilfsprojekt                                                                                                         Als die Flugtickets gebucht und der Container unterwegs war, bekam die Hilfsaktion einen jähen Dämpfer, denn die Regierung von Tansania setzte für die Hilfsgüter eine Mehrwertsteuer in Höhe von 6000 Euro fest. Nachdem die Bischofskonferenz von Tansania zum Boykott aufgerufen hatte, blieb der Container im Hafen stehen, bis die Sache geklärt war. Mit einer zweimonatigen Verzögerung konnten Tröndle und Vogt die Maschinen dann doch noch in Betrieb nehmen und die Menschen einweisen. Da der Traktor im Jahr rund 500 Betriebsstunden leistet, musste Manfred Tröndle im letzten Jahr umfangreiche und kostspielige Wartungs- und Reparaturarbeiten durchführen. Die Arbeit trägt bereits die ersten Früchte, denn die Solaranlage arbeitet im dritten Jahr störungsfrei und die Mühlen tragen einen bedeutenden Anteil zur Selbstversorgung bei. "Es wächst eine junge hochmotivierte, lernbegierige und fleissige Generation heran", freut sich der Erzinger Entwicklungshelfer, der die Menschen in Hale als dankbar, hilfsbereit und freundlich bezeichnet. Da das private Hilfsprojekt an keine Organisation angebunden ist und die Spenden direkt ankommen, hat sich die Spendenbereitschaft vom Hotzenwald bis in den Klettgau ausgeweitet.

 

 

 

Manfred Tröndle weist einen Einheimischen an der Getreide- und Maismühle ein, womit die Lebensmittel haltbar gemacht werden können.

Zeitzeuge im Wind der Zeit

Hochrhein Anzeiger, 18. Mai 2016

Als die Regisseurin Corinna Vogt für das Ühlinger Freilichttheater "Im Wind der Zeit" die Sprachrollen verteilte, kamen dem Lottstetter Laienschauspieler Werner Huber die Tränen. Er spielt einen Lottstetter Bauer, der nach dem Krieg vom Jestetter Zipfel ins Schlüchttal evakuiert wird. Er hat diese furchtbare Zeit damals selbst als Sechsjähriger Bub erlebt. Die Erinnerungen und Emotionen, die Huber ein Leben lang begleiteten, waren plötzlich wieder ganz nah. Die Bilder sind in sein Gedächtnis eingemeißelt. Er kann sich gut daran erinnern, als der Lottstetter Dorfpolizist Willi Straub an jenem 14. Mai 1945 die Schreckensnachricht ausrief, dass die Lottstetter Bevölkerung bereits am nächsten Morgen das Dorf verlassen muss. Die Bauersfamilie Huber mit den vier Kindern musste nachts zwei Fuhrwerke laden, da sie auch die in ihrem Haus wohnende Frau des Dorfmetzgers mit den beiden Kindern und die Nachbarin Else Brand mitnehmen mussten. "Ich sehe heute noch, wie wir bei der Jestetter Sägerei standen und den nicht enden wollende Flüchtlingszug sahen, der aus Jestetten und Altenburg kam", erinnert sich Huber. Insgesamt wurden damals 3500 Menschen aus dem Jestetter Zipfel evakuiert. Wenige Personen durften daheim bleiben, um das zurückgelassene Vieh der Bauern zu versorgen. "Auch der Lottstetter Engelwirt durfte bleiben, da die Franzosen gerne gut gegessen haben", bemerkt Huber. Viele der von Kühen gezogenen Fuhrwerke kamen im Baltersweiler Wald nur schleppend  voran. Der kleine Werner bekam immer Angst, als die verärgerten Franzosen mit ihren Gewehren in den Jeeps am Flüchtlingstreck vorbeifuhren. In Dettighofen wurde das erste Mal in einem Geräteschuppen auf dem Heu übernachtet und in Lauchringen wurde der Flüchtlingsstrom auf das Steinatal und das Schlüchttal aufgeteilt. Als es bei Krenkingen steil bergauf ging, mussten die dortigen Bauern zusätzlich Vieh vorspannen. In Birkendorf glaubte die Familie Huber eine Bleibe gefunden zu haben, die sie jedoch nach zwei Tagen wieder für Soldaten aus den Marokkanischen Kolonien räumen mussten. Letztendlich kamen die Hubers zur Familie Probst nach Riedern am Wald und es dauerte bis Ende Juli, bis sie wieder heimkehren durften. "Die Kühe sind viel schneller gelaufen, sie haben gespürt, dass es wieder heim geht", erinnert sich Werner Huber. Lange Zeit hatte er den Bezug zur Familie Probst aufrecht erhalten, doch nach Generationen hat man sich aus den Augen verloren. "Das Bauernhaus von damals steht aber heute noch", sagt Huber. Rund 30 Personen der Traktorenfreunde aus dem Jestetter Zipfel spielen bei dem Freilichtspiel die Szene, als die Flüchtlinge nach Ühlingen kamen und die Einwohner sich der Herausforderung stellten, diese Leute trotz der schweren Zeit aufzunehmen. Zurzeit fährt Werner Huber jede Woche zum Proben nach Ühlingen. Das Freilichtspiel wird anlässlich des 1200 Jahr Jubiläums aufgeführt und erzählt die Geschichte von Ühlingen zwischen 1889 und 1947.

Der 77- jährige Werner Huber aus Lottstetten spielt bei den Ühlinger Freilichtspielen in der Szene mit, wo der Flüchtlingezug aus dem Jestetter Zipfel in Ühlingen eintrifft. Er hat diese Szenen damals als sechsjähriger Bub selbst miterlebt. Huber hat zahlreiche Presseartikel über die Evakuierung des Jestetter Zipfels gesammelt.

Tubenauspresser mit sozialem Hintergrund

Bülacher Wochenspiegel, 18. Februar 2015

Dölf Sigrist aus der Zürcher Unterlandgemeinde Wil stellt exklusive Tubenauspresser her. Was bei ihm aus der Not entstanden ist, ist zum leidenschaftlichen Nebenerwerbsjob geworden.

Als Dölf Sigrist im Jahr 2003 kurzzeitig arbeitslos war, kam ihm bei einem Spaziergang die spontane Idee, einen Tubenauspresser anzufertigen. Zuhause hatte er allerhand Tuben die immer wieder schlecht ausgedrückt wurden. Die bisherigen Tubenschlüssel waren so billig gemacht, dass sie immer wieder abgebrochen sind.                                                                                                        Es begann in der Garage in Wil

Sigrist hat ein Tubenauspresser aus eloxiertem Aluminium entwickelt, der stabil ist, auf den Tisch passt und auch im Kühlschrank platzsparend verstaubar ist. Dank der drei verschiedenen Grössen passen die Schlüssel auf alle gängigen Aluminium-Tuben und durch die Hebelwirkung kann die Tube bis auf den letzten Rest ausgedrückt werden. "Und er hält ewig", betont Sigrist, der das Design des Tubenschlüssels schützen liess. Die Umsatzzahlen sind steigend, da es für die Konkurrenz zu aufwändig ist, swiss- und handmade zu produzieren. Die ersten Ausdrücker hat er zuhause in der Unterlandgemeinde Wil produziert, die erste grössere Serie bei seinem Kollegen Walter Meichtry in Rafz. Nachdem Sigrist seine neue Arbeitsstelle bei einer Telekommunikationsfirma antrat, ist sein Nebenerwerb wieder eingeschlafen. Erst im Januar 2014 hat er die Produktion wieder aufgenommen. "Ich brauchte wieder eine neue Herausforderung", so Sigrist. Mittlerweile liess er über 3000 Tubenschlüssel produzieren, allein im Jahr 2014 waren es über 2000 Stück. Inzwischen stellt die mechanische Werkstätte der Stiftung Wisli die Tuben Auspresser her. Dölf Sigrist reduzierte mittlerweile seine Anstellung als Prozessmanager auf 80 Stellenprozente und erledigt im Nebenerwerb von zuhause aus Werbung, Verpackung und den Vertrieb seiner eigenen Firma. Zudem machte er einen Goldschmiedekurs und fertigt in seinem Atelier Silberschmuck an.

Der soziale Aspekt

Mittlerweile lässt Sigrist seine Tubenschlüssel in der mechanischen Werkstätte in der Stiftung Wisli in Bülach produzieren. Der Gruppenleiter Samuel Lerch, ausgebildeter Sozialpädagoge und Maschinenmechaniker, ist froh, dass er den Wilemer als Kunde hat. In der mechanischen Abteilung der geschützten Werkstätte, in der zurzeit elf Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung arbeiten, kann der Gruppenleiter einen breiten Arbeitsbereich abdecken. Die Alustangen werden mit der Drehmaschine abgelängt, bevor der Schlitz und der V-Ausschnitt ausgefräst werden. Zudem müssen Löcher für den Hebel gebohrt und ausgerieben werden, damit der Hebel dann passgenau eingesetzt werden kann. Die Hauptarbeiten sind die Entgratungsarbeiten, die von Hand ausgeführt werden. Den farblichen Touch bekommen die Tubenschlüssel durch eine externe Industrieeloxierung. Neben den Grundfarben grün, blau und rot stehen nahezu 50 weitere Farbtöne zur Auswahl. Zum Schluss kann der Tubenauspresser noch mit Laser beschriftet werden. Das Ziel bei den subventionierten Arbeitsplätzen ist nicht die Massenproduktion und der Profit. Die Beschäftigten sollen wieder in eine geordnete Tagesstruktur und in die Gesellschaft integriert werden. Dabei spielen die sozialen Kontakte in der Werkstatt eine gewichtige Rolle. Obwohl bei der Arbeit kein Zeitdruck entsteht, hat das Wisli noch Kapazitäten frei und könnte mehr produzieren. "Die Mitarbeiter im Wisli leisten absolute Präzisionsarbeit", lobt Sigrist, der auch die angenehme Zusammenarbeit rühmt. "Ich will nicht weg vom Wisli", sagte Dölf Sigrist, als er einmal eine Anfrage für eine grosse Stückzahl hatte und dankend ablehnte. Für diesen Auftrag wäre eine Automatisierung nötig gewesen, die das Wisli nicht bieten könnte. Für Dölf Sigrist ist der soziale Aspekt sehr wichtig. "Mir selbst geht es gut und deshalb unterstütze ich gerne bedürftige Menschen", ist sein Leitspruch. Viele Firmen wollen mittlerweile weg von den Kalendern und Kugelschreibern und wollen lieber etwas Nützliches verschenken. Sigrist verkauft seine "swiss- und handmade" Produkte auf Koffer- Jahr- und Weihnachtsmärkten, sowie im Internet unter www.dselect.ch. Die Tubenausdrücker werden auch zu verschiedenen Sets zusammengestellt und in Designerkartonagen mit integrierter Glückwunschkarte verschickt. "Ich habe noch einige Ideen, die sind aber noch nicht spruchreif", verrät Dölf Sigrist, der Sachen auf einfache Art und Weise produzieren will, die schlicht und funktionell sind und ein schönes Design haben.

Die Tubenausdrücker von Dölf Sigrist eignen sich als nützliche Geschenke. Er hat dafür einen speziellen Geschenkkarton für den Versand entwickelt.

Lottstetten trauert um Helmut Buchter

Südkurier, 17. Januar 2014

 

Großer Trauergottesdienst in der Valentinskirche

 

Eine überaus große Trauergemeinde nahm Abschied von Helmut Buchter, der im Alter von 81 Jahren nach längerer Krankheit überraschend starb. Pfarrer Richard Dressel ging in der vollbesetzten Valentinskirche auf das Leben des Verstorbenen ein, der bis wenige Wochen vor seinem Tod in Lottstetten als Mesner tätig war. Helmut Buchter wurde 1932 in Lottstetten geboren, wo er mit seiner Schwester Helga aufgewachsen ist. Seine Kindheit fiel in die Schreckenszeit des NS Regimes. Der Krieg ging zu Ende, als der kleine Helmut 13 Jahre alt war. Der Vater kam erst viel später aus dem Krieg zurück und so musste Helmut Buchter früh auf dem elterlichen Obstbetrieb mit anpacken. In der Bauernschule lernte er seine Frau Gerda kennen, die er 1957 in der Lottstetter Valentinskirche heiratete. In diesem Jahr übernahm er auch den Betrieb der Eltern. Aus der Ehe gingen die Kinder Andrea, Helga, Helmut und Daniel hervor. Zehn Enkelkinder waren der besondere Stolz des Verstorbenen. Im Jahr 2007 konnten Helmut und Gerda Buchter in "seiner" Valentinskirche die Goldene Hochzeit feiern. Das politische und gesellschaftliche Engagement lag dem Verstorbenen sehr am Herzen. Von 1962 bis 1994 gehörte er 32 Jahre dem Lottstetter Gemeinderat an. Als Mitglied des Bauausschusses hat er das Erscheinungsbild der Gemeinde maßgeblich geprägt. Helmut Buchter war 40 Jahre in der Freiwilligen Feuerwehr Lottstetten und etwa 30 Jahre im freiwilligen Polizeidienst. Zudem war er 36 Jahre Aufsichtsratsmitglied der ehemaligen Volksbank, in der Vorstandschaft der Genossenschaft und Gewerbeschullehrer. Da sein Leben stark vom christlichen Glauben geprägt war, hat er 1995 den Mesnerdienst in der katholischen Pfarrgemeinde aufgenommen. Helmut Buchter erzählte immer wieder von einem besonderen Abkommen, das er geschlossen hatte: "Als ich einmal schwer krank war, habe ich dem Hergott versprochen, Wenn Du mir noch ein paar Jahre gibst, will ich Dir bis zum Ende meiner Tage dienen". Dieses Versprechen hat Helmut Buchter eingehalten. Für viele Ministranten war er in dieser Zeit ein väterlicher Freund. Die Enkelin Margrit, die in der Pfalz daheim ist, erinnerte sich beim Abdankungsgottesdienst an die bewegenden Worte, die ihr Großvater an seine Enkel gerichtet hatte, als er krank wurde: "Was auch immer ihr im Leben tut, tut es ganz und euer Dasein wird erfüllt sein und einen Sinn haben. Vergesst euren Herrgott nicht und seine Fürsorge und Liebe wird immer bei euch sein".

Der Lottstetter Obstbauer und Mesner Helmut Buchter ist im Alter von 81 Jahren verstorben.

Werner Hauser ist tot

Südkurier, 4. Juni 2012

 

Werner Hauser, Besitzer des Lottstetter Landgasthauses Nackermühle ist tot. Am vergangenen Samstag erlitt er beim Holz machen einen gesundheitlichen Zusammenbruch. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Universitätsklinik Freiburg ist er in den frühen Morgenstunden des 31. Mai verstorben. Werner Hauser wurde 1937 als jüngster Sohn von Heinrich und Elise Hauser geboren und wuchs auf der Landwirtschaft im Lottstetter Weiler Nackermühle mit drei Brüdern und fünf Schwestern auf. Bereits mit 13 Jahren verlor er seine Mutter durch eine Krankheit. Zehn Jahre später starb Vater Heinrich durch einen Traktorunfall. Werner Hauser übernahm die Landwirtschaft, die er mit einem Holz, Heu- und Strohhandel erweiterte. Hauptsächlich Schweizer Bergbauern wurden beliefert. Seine Handelsfirma war so groß, dass er verschiedene Scheunen anmieteten musste. In der Lottstetter Engelscheune hatte er damals bis zu 20 Lastzüge Heu und Stroh eingelagert. Bereits im Jahr 1958, als man im Ort noch mit der Dreschmaschine das Getreide drosch, schaffte er sich einen Mähdrescher an. 1971 baute er das landwirtschaftliche Anwesen zum Restaurant „Nackermühle“ um. Die Gaststätte führte er bis 1998,  danach verpachtete er das Landgasthaus. Ein schwerer Schicksalsschlag für Werner Hauser war der frühe Tod seines einzigen Kindes. Sohn Peter kam im August 1982 beim Stroh verladen durch einen Verkehrsunfall im Alter von 14 Jahren ums Leben. Nachdem schon der Vater durch einen Unfall sein Leben verlor, ereilte den Sohn das gleiche Schicksal. Im Jahr 1985 errichtete Werner Hauser in der Lottstetter Tiergartenstraße ein Eigenheim, in dem er mit seiner Frau „Gina“ wohnte. Georgina Wood, die gebürtige Schottin aus Glasgow, heiratete er am 4. Oktober 1990. Werner Hauser war 17 Jahre im Lottstetter Gemeinderat. Seinen Holzhandel betrieb er trotz seiner angeschlagenen Gesundheit bis zum Tage seines Todes. Die Beerdigung findet am Mittwoch, 6. Juni, 14 Uhr, auf dem Friedhof in Lottstetten statt.

 

Werner Hauser war mit der Nackermühle verwurzelt.

Jubiläum

veröffentlicht am 1.02.2011 im Südkurier und Alb Bote

 

Ich hab als kleiner Bub schon gerne gesungen

Lottstetten (thg) Siegfried Schaub aus dem Lottstetter Ortsteil Balm wurde für 50 Jahre aktives Singen im Männerchor „Eintracht 1847“ Lottstetten geehrt. „Ich hab schon als Bub gerne gesungen“, blickt er an die Anfangstage seiner Sangeslaufbahn zurück. Ein Auftritt mit der Schule bei einer Engelsmesse in der Lottstetter Valentinskirche war für ihn der Knackpunkt. Als 19- jähriger trat er dann dem Männerchor bei. Vorsitzender war damals sein zukünftiger Schwiegervater Arthur Henes. Dirigent war Fritz Rupprecht, ein pensionierten Lehrer mit „harter Gangart“. Weiter hat Schaub unter den Dirigenten Oskar Schmid, Gottlieb Meier und dem aktuellen Dirigenten Georg Boller gesungen. Gerne erinnert er sich an das „Ständerli“ seiner Sängerkameraden bei seiner Hochzeit im Jahr 1970. Eine große Sache war auch die Durchführung des Nacker Weinfestes. Die Ausflüge nach Südtirol oder Heiligenberg am Bodensee waren seine gesellschaftlichen Höhepunkte. Die Konzertreisen nach Polen und Ungarn waren ganz klar die kulturellen Highlights. Als der junge Sänger „Sigi“ Schaub im Jahr 1969 seine Freundin Elfriede Henes aus der Gesangprobe beim Kirchenchor abholte, war es um ihn geschehen. Mathilde Keller redete so lange an ihn hin, bis er auch dort Mitglied war. Und das mittlerweile auch schon über 40 Jahre. Das Singen war für den fünffachen Familienvater ein Leben lang der Ausgleich für seine harte Arbeit als Land- und Forstwirt. „Man würde sonst nur die Arbeit kennen“, so Schaub. Während der Erntezeit ging manche Probe ohne den „Schaub Sigi“ über die Bühne. Doch mittlerweile hat er sich zu einem der besten Probenbesucher gemausert. Als die Lottstetter  Feuerwehr zu wenige Mitglieder hatte, bestimmte der damalige Bürgermeister Max Keller ortsansässige Männer zum Feuerwehrdienst. Dass da die Bauern, die es verstanden anzupacken, begehrt waren, versteht sich von selbst. So wurde er gezwungenermaßen zum Vereinsmeier. Der Balmer Bauer spielte dazu auch noch sechs Jahre Fußball beim Sportverein. „Damals hab ich auch gedacht, ein Sonntag ohne Fußball sei kein Sonntag“, schmunzelt er mit seinem verschmitzten Lächeln. Heute fühlt er sich sehr wohl bei seinen Sängerkollegen vom Männerchor, der von seinem Schwager Max Henes geführt wird. Siegfried Schaub singt weiterhin mit viel Freude den Ersten Bass. Und das am liebsten dann, wenn eine Wiener Operette auf seinem Notenständer liegt.


Siegfried Schaub

Geburtstag

Hilda Nun

aus dem Lottstetter Ortsteil Nack feiert als älteste Einwohnerin der Gemeinde  am Sonntag, 13. Mai ihren 99. Geburtstag. „Mit viel Gottvertrauen und einer positiven Lebenseinstellung, mit Freude an den Blumen und jeden Tag ein Gläschen Rotwein, so wird man 100 Jahre alt“, weiss die zufriedene Jubilarin. Sie versorgt sich grösstenteils noch selbst und ist besonders geistig noch sehr fit. Man sieht sie auch noch  beim täglichen Spaziergang. Hilda Nun erblickte 1908 als Tochter der Eheleute Karl und Wilhelmine Degen im Ortsteil Nack das Licht der Welt und wuchs im Kreise ihrer vier Geschwister auf dem elterlichen Bauernhof auf. Sie erlebte die Inflation und zwei Weltkriege. Infolge eines Kriegsleidens verlor sie auch ihren Bruder Oswald. Im Jahre 1942 heiratete sie Ernst Nun. Als die Schwiegermutter gestorben war, zogen sie nach Rastatt und versorgten den Schwiegervater mit dem eigenen Glasereibetrieb. Die Ehe mit Ernst Nun blieb kinderlos. Bereits nach elf Jahren Ehe verstarb ihr Ehemann im Jahre 1953. Danach zog es sie wieder in die alte Heimat zurück. Im Jahre 1956 kaufte sie sich ihren ersten Fiat 600. Dem sollten noch weitere 15 Autos dieser Marke  folgen. Damit verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt. Zuerst mit Fahrten zum Doktor, dann mit Ausflugsfahrten und Krankentransporten. Des Weiteren machte sie Besorgungen für das Gasthaus Kranz und war als die gute Seele des Hauses nicht wegzudenken. Bis zu ihrem 95. Lebensjahr war sie mit dem eigenen Auto mobil. Eine Reise mit der Alt - Kranzwirtin Anna Rieger, zu deren ausgewandertem Sohn Ernst, nach Windhook in Südafrika war ihre "Reise des Lebens". Nicht zu vergessen, als die "Nunin", wie sie im Ort liebevoll genannt wird, über dreissig Jahre als Nikolaus um die Häuser zog. Ihre unverwechselbar tiefe Stimme liegt noch heute so manchem mittlerweile Betagtem im Ohr. Die Jubilarin wohnt im ersten Stock des Hauses, das der längst verstorbene Bruder Eugen erbaut hatte.  Die Mühen des Alltages werden ihr von der Sozialstation, Freunden und Nachbarn abgenommen. Welche Wünsche hat man als 99-jährige? „Einmal noch möchte ich mit dem Auto über den Sustenpass fahren, vielleicht wird mir dieser Wunsch noch erfüllt". (thg)

 

Hilda Nun

Nachruf

Erwin Bölle

30.12.2005 - veröffentlicht im Südkurier und Alb Bote

 

Am Weihnachtstag ist Erwin Bölle aus Lottstetten-Nack gestorben. Eine überaus grosse Trauergemeinde nahm Abschied auf dem Lottstetter Friedhof. Pfarrer Stephan Schmidt erinnerte in seiner Trauerrede an den Lebensweg des Verstorbenen. Erwin Bölle erblickte 1935 in Bettmaringen das Licht der Welt und wuchs mit vier Geschwister auf dem elterlichen Bauernhof von August und Maria Bölle auf. Er sollte als ältester Sohn ursprünglich den landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen. Als Erntehelfer verdiente er sich in den Sommermonaten etwas Zubrot bei Alfred Kübler in Lottstetten - Nack. Dort lernte er Marlies Güntert kennen und die beiden heirateten im Jahr 1962. Der Ehe wurden drei Töchter und ein Sohn geschenkt. Erwin Bölle übernahm dann den Betrieb seiner Schwiegereltern Franz und Sophie Güntert und führte diesen anfangs noch zum Haupterwerb. Der Verstorbene war zudem als Waldarbeiter bei der Gemeinde Lottstetten tätig. Fünf Jahre gehörte Erwin Bölle dem Lottstetter Gemeinderat an.   Im Jahr 1970 schaffte er die Viehwirtschaft ab und arbeitete in der SIG in Neuhausen / Schweiz, wo er bis zur Pensionierung im Jahr 1998 tätig war. Ein schwerer Schicksalsschlag war es, als seine Frau Marlies kurz vor der Pensionierung verstarb. Erwin Bölle versorgte sich seitdem selbst und meisterte seinen Ruhestand bestens. Viel Kraft nahm er aus dem christlichen Glauben, den er auch lebte. Vor knapp einem Jahr erkrankte Erwin Bölle schwer und verstarb jetzt an den Folgen dieser Krankheit.Der Musikverein "Harmonie" Lottstetten umrahmte die Beisetzung in einem feierlichen Rahmen und seine Musikkameraden hielten die Ehrenwache am Sarg. Christian Frey, erster Vorsitzender, erinnerte an den Musikkameraden und das Ehrenmitglied Erwin Bölle. Im vergangenen Sommer überbrachte der Musikverein noch die musikalischen Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag und konnte mit ihm diesen Tag feiern. Zusammen war er nahezu 40 Jahre aktiver Musiker in Bettmaringen und Lottstetten und hat das Tenorhorn geblasen. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Helmut Buchter junior erinnerte an die neunjährige Tätigkeit im Pfarrgemeinderat und legte eine Blumenschale nieder. Neben den Kindern trauern ebenso fünf Enkelkinder um ihren gutmütigen Opa. Die kleine Dorfgemeinschaft des Lottstetter Ortsteils Nack verliert in ihm einen stets hilfsbereiten und sehr beliebten Mitbürger. (thg)

 

Erwin Bölle

Familienjubiläum

Immer wieder Balm

2.7.2010 - veröffentlicht im Südkurier und Alb Bote

 

Die Mühle in Balm – Sie liegt mitten im Wald, hundert Meter oberhalb des Rheinufers. Dort wohnen Willem und Traute van der Bosch, Willem ist 86, Traute 83 Jahre alt. Die beiden leben dort ohne Fernsehen, ohne Telefon und ohne Kühlschrank. Beide sind zufrieden und genießen den gemeinsamen Lebensabend. Sie sind 65 Jahre verheiratet und feierten vor kurzem  die Eiserne Hochzeit. Willem van der Bosch  ist 1924 in Ryswyk in den Niederlanden geboren. Sein Vater war Schiffer und er ging ihm während der Schulzeit zur Hand. Danach arbeitete er vier Jahre in einer Gärtnerei. Als 18- jähriger wurde er zur Zwangsarbeit in Deutschland verdonnert. So kam er an die Hochöfen zu den Aluminiumwerken nach Rheinfelden. Als man dort nach Arbeitern auf den betriebseigenen Gutshof im Lottstetter Ortsteil Balm suchte, meldete sich Willem van der Bosch. So kam er 1943 erstmals nach Balm, wo er auch seine Traute kennen und lieben lernte. Sie wurde 1927 in Allenstein in Ostpreussen geboren und wuchs mit 10 Geschwistern auf. Nach der Schule wurde sie zum Arbeitsdienst im Krieg eingesetzt. So musste sie in Berlin eine Ausbildung als Beleuchterin bei der Flugabwehr absolvieren. Währenddessen floh ihre Mutter vor den Kriegswirren nach Lottstetten-Balm. Ihre älteste Schwester war damals bei einem Verleger in Berlin als Haushälterin beschäftigt und erbte nach seiner Umsiedlung nach Balm die dortige Mühle. Durch einen Sonderurlaub kam dann auch Traute nach Balm und lernte dort ihren Willem kennen und lieben. Sie blieben dann auch bis zum Kriegsende im Lottstetter Ortsteil. 1945 wurde die Bevölkerung des Jestetter Zipfels durch die französische Besatzungsmacht evakuiert. Das erste Nachtlager war in Baltersweil. Dort setzten sich die zwei jung Verliebten ab. In Dogern fand man Aufnahme in einem Holländer-Lager und beschloss zu heiraten. Doch der Bürgermeister von Waldshut konnte dem nicht zustimmen, da es damals verboten war, dass deutsche Mädchen Ausländer heirateten. Es bedurfte der Einwilligung der französischen Kommandanten. Da dieser gerade im Urlaub war und sein Stellvertreter kurz vor der eigenen Heirat stand, wurde dem Antrag genehmigt. Kurzerhand wurden zwei holländische Trauzeugen von der Straße geholt und 1945 in Waldshut geheiratet.  1946 kamen die beiden über ein Übergangslager in Bocholt, wo Holländer mit deutschen Frauen untergebracht wurden, endlich in die Heimat des Mannes, nach Holland. „Obwohl die Deutschen verhasst waren, habe ich nie ein böses Wort gehört“, lobt Traute van der Bosch die Einheimischen noch heute. Der Ehemann fand Arbeit in der Fabrik und arbeitete später als Bauführer. Der Ehe entsprangen ein Sohn und vier Töchter. Mittlerweile gehören neun Enkel zur Großfamilie van der Bosch. Eine Tochter wohnt in der Nachbargemeinde Jestetten, wie auch die Schwester Jutta der Jubilarin. Der Rest der Familie in Holland. Die Mühle in Balm wurde  mittlerweile verkauft  und vor 24 Jahren bot sich die Möglichkeit, die alte Balmer Mühle zu mieten. Ein einfaches Haus ohne jeglichen Luxus. Für das Ehepaar van der Bosch jedoch ein Haus vollgepackt mit Erinnerungen – unbezahlbar. Seit dieser Zeit pendeln sie, inzwischen in  Valkenburg zuhause, zwischen Holland und Balm. Ein Kontrast zwischen Großstadtleben und Natur. Was ist das Rezept für 65 Jahre Eheglück? „Geben und nehmen“, sagt Traute. „Eine einfache Lebensweise, wir hatten nichts, doch wir hatten immer Glück“, meint Ehemann Willem und er macht sich auf den Weg zum Bauer Schaub, wo er für sich und seine Traute eine Kanne Milch und ein paar Eier holen geht.

Willem und Traute van der Bosch sind seit 65 Jahren verheiratet